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area4 – der festivalgeheimtip 2007 (teil 2)

von jonas | 6.September 2007

fakt ist: jedes festival braucht seine zeltplatzaktionen und -spiele. das mit abstand angesagteste auf dem area4 war eindeutig hodenball. die regeln sind denkbar einfach: zwei teams sitzen sich mit einem gewissen abstand breitbeinig gegenüber und werfen so ein wurfdingens hin und her. wer die meisten treffer landet, gewinnt. das hört sich noch unspektakulär an, aber allein die unübersehbare asphaltbeschriftung „hodenball centre court“ und die euphorischen megafondurchsagen des moderators verliehen der veranstaltung einen ganzen eigenen charme. am sonntag war es dann sogar so weit, dass ein paar polizisten und securites mitspielten. zu dieser zeit hatte der hodenball centre court wohl sogar mehr publikum als die bühne. körperlich weniger anstrengend, aber mindestens genauso spaßig war auch das von unseren zeltnachbarn mitgebrachte geschicklichkeitsspiel looping louie, dass kurzerhand in ein saufspiel umfunktioniert wurde: wer zu erst ausgeschieden ist muss einen schluck billigen tetrapack-wein trinken. irgendwie war das meistens ich. was man auf dem area4 hingegen erstaunlicherweise so gut wie gar nicht gehört hat, waren nächtliche „helga!“-rufe. scheint wohl ein bisschen aus der mode gekommen zu sein, dieser früher doch so zeitlos wirkende trend.

musikalisch ging es am samstag mittag weiter mit ein paar deutschen bands. turbostaat: in ordnung. itchy poopzkid: spaßige ansagen. muff potter: ziemlich gute songauswahl von punkt 9 bis steady fremdkörper, überhaupt ein ziemlich guter auftritt. nachmittags kamen dann art brut, die mich ein bisschen enttäuscht haben. das erste album bang bang rock and roll ist ja ganz lustig, aber die neuen sachen wirkten (zumindest live) eher öde und nicht wirklich mitreißend. außerdem hätte ich mir ein paar mehr gelungene ansagen und überhaupt mehr publikumskommunikation von herrn argos gewünscht. dessen „singing voice“ ging mir übrigens schon nach etwa 20 minuten auf den sack. die 45 minuten, die sie gespielt haben, haben sich sogar so sehr gezogen, dass ich bis eben, als ich noch mal auf den spielplan geschaut habe, fest der meinung war, es wäre eine stunde gewesen. aber wenigstens geriet der abschluss mit good weekend und der darin enthaltenen aufzählung sämtlicher bands des samstags mitsamt eines anschließenden „top of the pops!“-ausrufs durchaus gelungen.

danach war schon wieder etwas deutsches dran: blackmail aus koblenz. an sich ein guter auftritt einer außergewöhnlich guten deutschen band. etwas merkwürdig nur das verhalten von sänger aydo abay, der irgendwie nicht so richtig bock auf das ganze zu haben schien. zwischen den songs erzählte er von seinen erlebnissen auf der games convention einen tag zuvor und vom angeblich stinkenden billy talent-sänger, mit dem er gemeinsam uriniert hatte. außerdem kündigte er noch an, dass er sich nach dem konzert wegschießen und juliette lewis (die etwas später mit ihrer band spielte) klarmachen würde. für das area4 fand er folgende worte: „komisches festival hier… aber irgendwie hat’s auch was.“ kam insgesamt etwas arrogant rüber, vielleicht war er aber auch einfach nur betrunken. zu seiner verteidung kann ich jedenfalls folgendes vorbringen: ich hab ihn später am abend noch im discohangar gesehen und ihn kurzerhand einfach mal angesprochen. und da wirkte er ziemlich locker und sympathisch. finde ich überhaupt ziemlich cool, wenn musiker sich mal unters einfache volk mischen. achja, und von juliette hat er nur einen kuss bekommen (ohne zunge) und aus seinen heiratsplänen mit ihr, die er mir offenbart hat, wird auch wohl erstmal nichts.

mit juliette lewis geht’s jetzt auch weiter im festivaltext, genauer gesagt mit juliette & the licks. die frühere schauspielerin hat sich jetzt nämlich eine rock’n’roll-band angeschafft. ich fand die songs jedoch etwas langweilig, nichts was einen wirklich vom hocker reißt. ein song hatte zudem ein unglaublich dreist geklautes highway to hell-riff. aber eine sehr energetische bühnenshow von miss lewis, da kann man nichts sagen. daraufhin kam dann der erste richtig große brocken des tages: the hives. dass die eine klasse liveband sind sollte sich rumgesprochen haben. trotzdem haben howlin’ pelle almqvists andauernde beifallforderungen irgendwie nicht so richtig gezogen und deshalb auf dauer etwas genervt. überhaupt war es sicher nicht der beste hives-auftritt aller zeiten, doch das ist jammern auf für andere bands kaum erreichbarem niveau. hate to say i told you so und walk idiot walk sind live absolute hüpfgaranten. die neuen songs vom kommenden album haben mir allerdings nicht ganz so gut gefallen wie die alten sachen, aber vielleicht muss man sie einfach erstmal ins ohr kriegen. dafür last but not least auf der habenseite: schicke neue anzüge!

als nächstes stand der zweite headliner des abends auf dem programm: billy talent. auch die lieferten eine erwartungsgemäß fulminante show mit sämtlichen hits ihrer zwei bisherigen alben von this is how it goes bis red flag. sehr tight, die jungs. ob der sänger wirklich so gestunken hat, konnte ich leider (oder zum glück?!) nicht verifizieren, so wie er geschwitzt hat ist es allerdings anzunehmen. ähnlich schweißtreibend ging es auch vor der bühne zu. nach dem anstrengenden abend gab’s dann erstmal ein wunderbar kaltes beck’s von mr. supermarkt. ah, so lässt es sich leben!

morgen geht’s weiter mit dem sonntag und u.a. folgenden themen: bunte lichter, ausblicke und die gewinner des arroganz-awards.

(alle fotos sind von thorsten seiffert für rock’n’roll reporter, bis auf das letzte, das ist von mir)


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2 kommentare zu “area4 – der festivalgeheimtip 2007 (teil 2)”

  1. Fight meint:
    7.September 2007 at 1:40 pm

    Witziger Artikel, Herr Bassist. :)
    Aber was mir auf der ganzen Seite auffällt (kommt jetzt nur hierher, weil ich zu doof bin, das Gästebuch zu finden): die konsequente Kleinschreibung nervt. Sehr. Aber dass ist bestimmt “Indie”, ne?
    nfu,
    de Fight

  2. jonas meint:
    7.September 2007 at 5:40 pm

    richtig erkannt, herr schlagzeuger!