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area4 – der festivalgeheimtip 2007 (teil 3)
von jonas | 7.September 2007
das musikprogramm am sonntag begann erstmal mit einer absage: boozed konnten nicht spielen, was allerdings nicht viel mehr bedeutete, als dass wir unser frühstück ohne musikalische berieselung zu uns nahmen. erste band des tages waren also the draft, die nachfolgeband von hot water music. allerdings waren die leider nicht wirklich spannend. the films waren da schon besser. ich würde sagen die derzeit am britischsten klingende band aus amerika. ein netter indie rock’n’roll-soundtrack zum auf der wiese sitzen. zudem die einzige mir bekannte band mit einem magersüchtig aussehenden bassisten. und sie haben die wohl schicksten hüte im musikbusiness. aber weg von diesen oberflächlichkeiten.
während jingo de lunch und madsen haben wir dann unsere zelte abgebaut und schon mal ein paar sachen zum auto gebracht. ein hauch von abschied also sozusagen. aber es sollten ja noch einige knaller kommen. madsen fand ich von dem, was ich auf dem zeltplatz gehört habe, gar nicht so schlecht, aber mir sind sie ein stück zu poppig. tocotronic light würde ich sagen. die stimme hört sich schon oft nach dirk von lowtzow an, aber die songs und texte sind weniger komplex und dafür eingängiger. madsen waren auch für den kollektiven ohrwurm des tages verantwortlich („du schreibst geschichteeeeeeeee!“ – ich wünschte, dieser song wäre schon zu meiner schulzeit herausgekommen, ich hätte ihn wohl bei jeder geschichts-hü und -arbeit angestimmt).
danach stand dann der erste act des tages auf dem programm, den ich mir auf jeden fall ansehen wollte: sparta. die band entstand nach dem split der bahnbrechenden und absolut fantastischen at the drive-in (aus denen außerdem noch the mars volta hervorgingen). und ihr aktuelles album threes war immerhin platte des jahres 2006 in der visions. das kann ich allerdings nicht so ganz nachvollziehen. ist zwar schon ein richtig gutes album, aber kommt für mich nicht als bestes des jahres infrage. beim auftritt wurden dementsprechend viele aktuelle lieder gespielt – und das auch richtig gut. der schlagzeuger ist ein gottverdammtes tier! einziger wermutstropfen war meiner meinung nach, dass sie die alten „hits“ wie cut your ribbon oder assemble the empire weggelassen haben. an dieser stelle übrigens auch der hinweis: nettes video zur single taking back control.
ein weiteres highlight war der auftritt von … and you will know us by the trail of dead. auf der bühne sechs mannen, die zusammen zwei schlagzeuge, zwei keyboards, etwa ein dutzend unterschiedlich gestimmte gitarren (davon meist zwei gleichzeitig), einen bass und ein paar mikrofone bearbeiteten. und wie sie das taten! sie sind schon auf platte so ziemlich meine absolute lieblingsband, aber live noch mal eine ganz andere kategorie. unglaublich, was sie für eine wucht entfachen. immer mit dem hang zum chaos, die pure essenz des rock. sicherlich eine der großartigsten livebands des planeten zurzeit. ging es bei dem opener gargoyle waiting vom debutalbum und dem bluesstampfer naked sun noch halbwegs gesittet zu, war spätestens bei will you smile again? die hütte so was von am brennen. das abschließende totally natural endete im ekstatischen lärm. sollte man unbedingt einmal miterlebt haben.
daraufhin war dann die band an der reihe, die sicherlich für den höchsten tageskartenabsatz bei kleinen mädchen gesorgt hat: mando diao. eigentlich nicht so mein ding (auch wenn mir da wahrscheinlich die meisten energisch widersprechen werden: ich konnte mir hurricane bar nicht ohne vorspulknopf anhören), aber live waren sie eigentlich ganz gut. ich war also eher positiv überrascht. down in the past und long before rock’n’roll sind schon veritable hits. allerdings war das nur die eine seite der medaille: sie haben nämlich zehn minuten zu spät angefangen, zehn minuten zu früh aufgehört, keine zugabe gegeben und auch sonst kaum mit dem publikum geredet. dafür kriegen sie von mir den area4-arroganz-award und lassen somit blackmail und the hives hinter sich.
bei der letzten band des abends und damit auch des gesamten festivals, tool, wurde es dann noch mal so richtig monumental: die 80 minuten, die sie insgesamt gespielt haben, reichten gerade mal für acht lieder. was man wissen muss: ein tool-konzert ist nicht nur ein auditives, sondern vor allem auch ein visuelles erlebnis. auf der bühne standen große leinwände, auf denen mit der musik abgestimmte videosequenzen im typischen tool-stil liefen. dazu gab es auch noch eine spektakuläre lichtshow, bei der unter anderem grüne lichtstrahlen in den nachthimmel schoßen. um es kurz zu fassen: man hätte sich nicht gewundert, wenn neben der bühne ein ufo gelandet wäre. dem ganzen bei vollmond in einer milden sommernacht beizuwohnen war schon eine erfahrung der besonderen art, und gleichzeitig ein gelungener abschluss des festivalwochenendes. vor dem finalen vicarious verabschiedete maynard james keenan die menge mit einem charmanten „now it’s time to hit the soap you stinky bastards!“.
bevor wir dieser aufforderung nachkommen konnten, stand allerdings erstmal der heimweg nach mainz an, den wir direkt nach dem konzert antraten. damit mein bruder am steuer auch wach bleibt, haben wir die meiste zeit damit verbracht, limmericks und schüttelreime mit den städten auf den autobahnschildern zu basteln (ich sage nur: ich scheiße auf das sauerland / statt heißem strand nur lauer sand!). so haben wir es schlussendlich geschafft, erschöpft aber glücklich zuhause anzukommen.
der veranstalter fkp scorpio (bekannt von festivals wie hurricane, southside, highfield etc.) hat mit dem area4-festival in diesem jahr vermutlich ein ordentliches minus eingefahren, wir haben davon jedoch nur profitiert. die besucherzahlen lagen wohl so etwa bei 10.000, ursprünglich war mal von 20.000 die rede. doch gerade diese im vergleich zu anderen festivals ziemlich geringe menge sorgte für den besonderen charme und die gute atmosphäre. wahrscheinlich ging es sowieso mehr darum, den namen und den ort für die nächsten jahre zu etablieren, und das dürfte gelungen sein: der flugplatz als veranstaltungsort eignet sich wirklich gut und bei entsprechendem line up wird sicher ein großteil der diesjährigen besucher wiederkommen und noch freunde mitbringen. und wir können uns freuen, da gewesen zu sein beim „kleinen“ area4, bevor sich dort irgendwann 25.000 leute gegenseitig auf die füße treten.
(das foto von the films ist diesmal von silke bremdt für rock’n’roll reporter)
künstlerkollektiv: ...and you will know us by the trail of dead, at the drive-in, blackmail, boozed, hot water music, jingo de lunch, madsen, mando diao, sparta, the draft, the films, the hives, the mars volta, tocotronic, tool
file under: live und in farbe | Kommentare deaktiviert
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