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my all-time favorite indie record: the wrens – the meadowlands

von jonas | 4.Oktober 2007

idealerweise gehört zu einer lieblingsplatte ja auch eine persönliche geschichte des kennen- und lieben lernens. diese sei hier kurz erzählt: zum ersten mal hörte ich the meadowlands von the wrens vor etwa einem jahr, beim frühstücken in der wg meiner schwester in trier. am abend zuvor hatte ich auf einem billy talent-konzert mein portemonnaie verloren, aber das ist wiederum eine andere geschichte. jedenfalls bin ich nach dem konzert noch mit alex (dem mitbewohner meiner schwester) und einem freund von ihm in eine raggea-kneipe um die ecke gegangen, auf ein zwei bier. natürlich wurden es am ende deutlich mehr. wir redeten über musik und alles was sonst noch wichtig ist und so fand der abend doch noch einen gelungenen abschluss. am nächsten morgen saß ich dann brötchenkauend am frühstückstisch und im hintergrund lief the meadowlands, von alex aufgelegt. ich nahm die musik nicht wirklich bewusst wahr und konnte mich später auch an keine stelle mehr erinnern, aber trotzdem gefiel mir das album irgendwie. es passte einfach genau zu dem moment. ich ließ mir die platte dann mitgeben und hörte sie etwa eine woche später zum ersten mal zuhause.

schon bei diesem ersten richtigen hördurchgang deutete sich die großartigkeit der platte an, doch es dauert eine weile, bis sich die gesamte schönheit der songs entfaltet hat. das album ist über weite strecken ruhig, aber dennoch mitreißend. es zieht einen hinein in eine ganz spezielle atmosphäre und transportiert das entspannende gefühl, trotz gegenwindes auf der richtigen seite zu stehen, eine lebensbejahende art von melancholie. es erzeugt erst gänsehaut und legt sich dann wie eine warme decke über einen. in einem satz: die perfekte herbstplatte. und man merkt mal wieder, wie viel ein paar gitarrenakkorde sagen können. dahinter stehen die texte allerdings keinesfalls zurück: hier wird über liebe und leben gesungen, aber ohne übertriebene metaphern und frei von jeglichem klischee. das ist oft lakonisch, und gerade dadurch verblüffend ehrlich und direkt. statt sich im selbstmitleid zu suhlen und den trennungsschmerz zum weltschmerz zu stilisieren, wird dieser so besungen, wie er ist. durch den realismus der geschilderten szenen kommt ein gefühlsreichtum zustande, der durch keine noch so einfallsreiche metapher je erzeugt werden könnte.

hier das stop motion-video zum wunderschönen sehnsuchtssong she sends kisses:

the meadowlands erschien 2003 in den usa, nach europa schaffte es das album erst zweieinhalb jahre später. überhaupt war es bis dahin ein langer und anstrengender weg für the wrens. bereits 1989 von vier freunden gegründet, ist schon der erste geplante gig ein reinfall: sie sollen die new wave-band the fixx bei deren comeback unterstützen und müssen dafür stolze 1000 karten verkaufen. sie schaffen noch nicht mal sechs, aber letztlich sagen the fixx das konzert sowieso ab. kurze zeit später werden the wrens hausband auf einem schiff, das zwischen new jersey und delaware pendelt. doch dieses engagement dauert nur bis zu dem tag, an dem sie den versuch starten, die hauptsächlich älteren passagiere mit einem cover des pixies-songs debaser zu unterhalten. der rausschmiss ist die folge. doch unbeirrt von ihrer bisherigen glücklosigkeit ziehen die vier zusammen in ein haus in secaucus, new jersey, um dort songs aufzunehmen. und zunächst scheint sich das blatt auch gewendet zu haben: 1993 verschicken the wrens demos an verschiedene labels und werden schließlich von grass records gesignt. 1994 erscheint dort ihr debütalbum silver und bekommt auch gleich gute kritiken. ihre erste show in omaha, nebraska besuchen zwar gerade mal fünf zuschauer, darunter aber immerhin auch der junge conor oberst. 1996 erscheint dann ihr zweites album, schlicht secaucus betitelt, und bekommt sogar noch bessere kritiken.

doch von nun an sollte das pech ihr ständiger begleiter sein. der millionär und musiktycoon alan meltzer hat nämlich inzwischen grass records gekauft und will the wrens zum aushängeschild des labels machen. er bietet ihnen einen millionen-dollar-vertrag, unter der bedingung, dass sie von nun an radiotauglichere musik machen. unterschreiben sie nicht, werden die promotion zu secaucus sowie sämtliche touren auf eis gelegt. the wrens entscheiden sich für die unabhängigkeit und lehnen ab. meltzer ist darüber erzürnt und verspricht, die nächste band, die bei seinem label unterschreibt, berühmt zu machen, koste es was es wolle. diese nächste band war creed. und so kommt es wie es kommen muss: grass records wird in wind-up records umbenannt, creed werden erfolgreich, silver und secaucus sind nicht mehr erhältlich und the wrens sitzen auf der straße. es sieht ganz so aus, als habe das böse mal wieder gesiegt. die nächsten jahre verbringen the wrens mit dem versuch, die rechte an ihren beiden alben einzuklagen, bleiben dabei allerdings erfolglos (trotz des abgeschlossenen jura-studiums von gitarrsit greg whelan). perspektivlosigkeit macht sich breit und hemmt auch das songwriting. 1998 scheitert ein deal mit interscope records knapp, weil der verantwortliche a&r vor vertragsabschluss entlassen wird. auch die zusammenarbeit mit drive thru records kommt nicht zustande, diesmal aufgrund einer labelfusion.

die bandmitglieder gehen inzwischen normalen jobs nach, allerdings schreiben sie nebenher auch weiterhin noch an songs und nehmen in ihrem haus in secaucus auf. 1999 beginnen die aufnahmen zu dem album, das später einmal the meadowlands werden wird – zunächst jedoch nur schleppend. die zusammenarbeit mit engineer alan douches bringt zwar neuen schwung in das unternehmen, doch erst im jahre 2002 unterschreiben the wrens schließlich bei absolutely kosher, der kleinen plattenfirma eines alten freundes. dort wird the meadowlands im frühling 2003 veröffentlicht. die europäer müssen sich wie bereits erwähnt noch ein ganzes stück länger gedulden. von den kritikern wird das neue album euphorisch empfangen und erstmals seit vier jahren beginnen the wrens auch wieder, zu touren. wer will, kann das mit gutem recht ein happy end nennen, allerdings ist zu hoffen, dass diese band noch einige jahre weitermachen wird. dieses jahr ist gerade die ausgedehnte meadowlands-tour zu ende gegangen und die nicht mehr ganz so jungen jungs wollen demnächst ein neues album aufnehmen. man darf gespannt sein.

es gibt einige momente auf the meadowlands, in denen man die schwierige und entbehrungsreiche entstehungsgeschichte hören kann (etwa im trotzigen this boy is exhausted), und es ist gut möglich, dass genau diese einen nicht geringen teil zu der einzigartigkeit der platte beigetragen hat. auch die beiden vorgängeralben (die diesen november wohl doch noch einmal wiederveröffentlicht werden sollen) seien übrigens wärmstens empfohlen. silver ist noch hörbar von pixies (und anderen klassischen us-indiebands) beeinflusst und dabei ungestüm und punkig. nicht besonders toll produziert, doch des öfteren blitzt das songwriterische können bereits auf. secaucus ist dagegen schon deutlich besser produziert und hat mehr popappeal. uptempo-nummern wechseln sich mit ruhigeren songs ab, darunter unter anderem das großartige ive made enough friends, die wohl melancholischste hymne für frisch verliebte.

für all diejenigen, deren interesse ich geweckt habe: auf der bandhomepage gibt es ein paar kostenlose mp3s sowie einige videos zum anschauen.


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