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woodstock mit der turbojugend – rocco del schlacko 08
von marc | 4.September 2008
langsam glaub ich, dass saarländer echt sarkastisch sind. zumindest wenn man sich das motto vom rocco anschaut, muss man diesem glauben erliegen. „start your summer“ passt nicht nur zum termin ende august wie das mädchen von der antifa zum jungen liberalen, sondern leider gottes zum wiederholten mal auch in hinblick auf das „tolle“ saarländische wetter.
aber erstmal alles schön von vorne. die anreise am donnerstag-abend war verheißungsvoll: wetter hält, parkplatz-zuweiser knöpfen einem zwar 4 euro ab, lassen uns dafür den kram direkt vorm eingang entladen und die saarländischen schüler, die bei dem festival so ziemlich alles regeln, sind nett wie gewohnt und erzählen einem bei einem schönen wasserpfeiffchen ihre lebensgeschichte. zudem hatten die veranstalter sich etwas besonderes für die frühangereisten ausgedacht: von einem bus aus belustigte die deutsche band the wedges, die anreisenden und die bereits angereisten. ich kann zu der band jetzt irgendwie nicht viel sagen, die idee war gut, aber irgendwie ist ihre musik mir beim herumschleppen nicht sehr bewusst geworden. dann jedoch der erste schock, das rocco ist expandiert. der zeltplatz wurde erweitert und ist schon donnerstags abends prall gefüllt. nichts mehr von wegen geheimtipp, alles voll mit bayern, schwaben und anderem weit angereisten volk. der rest des abends versank dank der internationalen gemeinschaft zur bekämpfung des weltweiten alkoholüberschusses, kurz turbojugend, im üblichen festivalvortag-exzess.
der freitag zeigte sich von seiner fiesen seite. regen, regen und wieder regen. der stimmung auf dem festivalgelände tat dies zunächst keinen abbruch. als erste große band präsentierten sich am frühen abend die dänen von dúné. hatte nie viel mit der band zu tun, aber der auftritt war echt musikalisch und stimmungstechnisch sehr gut, kurz ein schöner warm-up für den ersten großen gig.
den hatte nämlich gogol bordello. die new yorker gypsypunks schafften es wirklich alle mitzureißen. es durfte und musste ordentlich getanzt werden, auf den mittlerweile doch schon recht schlammigen sauwasen.
nach gogol nahm der regen stark zu und ich entschied mich die jungs von madsen von einem improvisierten unterstand aus zu betrachten. kurz zu dem gig, wenn man keine erwartungen hat, kann man nicht enttäuscht werden. bin kein echter anhänger von madsen, aber man konnte es sich echt anhören. finde persönlich, dass die neueren sachen von denen echt annehmbar sind. nur für ein vergehen muss ich doch öffentlich klage erheben, sie haben „wonderwall“ gecovert, und zwar nicht wirklich gut.
glücklicherweise ließ der guß etwas nach und so konnte man sich für den ersten headliner aus den unterständen hervor kämpfen. um es kurz zu machen turbonegro kam, sah und rockte. und das gewaltig. vor allem sänger hank von helvete beeindruckte durch seinen einsatz auf der bühne und sein „interessantes“ outfit, bestehend aus jeans und jeansjacke im „stars and stripes look“. Zu dem hat er glaub ich zusammen mit nofx den award „most drunken guy on stage“ verdient. besonders bei den großen hits wie „all my friends are dead“, „do you do you dig destruction“ und „I got erection“ mussten selbst skeptiker anerkennen, dass diese norweger einfach rocken.
nach dänemark und norwegen folgte dann zum abschluss des tages schweden. mando diao waren bereit, die übrig gebliebenen, in schlamm gehüllten zuschauer zu unterhalten. während die turbojugend mehr oder weniger geschlossen richtung zeltplatz aufbrach, kündigte sänger und gitarrist gustaf noren eine große überraschung an, die auch mehr oder weniger direkt die bühne betrat. sein vater übernahm die rolle des bassisten, während der eigentlich bassist ans tamburin verdammt wurde. und das für fast den kompletten gig. da sieht man wer die hosen in der band an hat. der auftritt selbst war von der stimmung her wohl aufgrund des wetters nicht so wahnsinnig toll, zudem wurde für meinen geschmack zu viel vom album „ode to orchrasy“ und deutlich zu wenig von den ersten beiden gespielt. jedoch haben mir fans von mando diao versichert, der gig wäre gigantisch gewesen, naja über geschmack kann man wohl doch streiten. danach ging es ab auf den in schlamm gehüllten zeltplatz zur festival-feierei.
schlammhockey – beliebter festivalsport
am samstag morgen sah man erst die auswirkungen vom freitäglichen regen. der zeltplatz ist ein hang und alle die nicht im oberen teil der hangs gezeltet hatten, ersoffen im schlamm. was soll ich sagen, glück gehabt. aber wie es sich mit solchem wetter auf festivals verhält, weiß jeder der sowas mal mitgemacht hat: anarchie regiert. pavillions und zelte wurden zerschlagen, barrikaden errichtet und der ein oder andere schlamm-engel gemacht…leckerlecker. aber neben diesen soziologisch sicherlich hochinteressanten zeltplatz entgleisungen, gab es natürlich auch wieder musik.
für mich persönlich begann der samstag nachmittag mit den letzten songs von jennifer rostock. war irgendwie nicht so mein fall. frau rostock gab sich zwar sehr viel mühe auf der bühne richtig abzugehen, aber es wirkte dann doch sehr gekünstelt. einzig ihr aufruf zum ende des konzerts blieb positiv in erinnerung: „nazis raus! schwänze rein!“
anschließend folgte der absolute musikalische tiefpunkt: k.i.z.! im versuch die aggro berlin szene zu persiflieren, machten sie sich irgendwie echt nur lächerlich und wirkten wie eine horde trinksüchtiger denen man mal ein mirko in die hand gedrückt hat. bewiesen wurde diese vermutung als die jungs einen betrunkenen aus der masse auf die bühne holten und mit ihm aus seiner saufmaschine, bierbong oder wie man das teil nennt, ein paar bier inhalierten. um es auf den punkt zu bringen, diese “musiker” mit ihrem komischen stimmungsmacher im hasenkostüm waren einfach schlimm.
die menge musste wieder angeheizt werden. es stürmten die nächsten skandinavier auf die bühne: die schweden von der (international) noise conspiracy. Scheinbar waren auch sie gestern von gogol bordello begeistert, denn sie hörten auf die new yorker („start wearing purple“) und betraten in purpurnen anzügen die bühne. der auftritt selbst war sehr schön anzuhören und brachte die menge schon zum tanzen, also mission erfolgreich, stimmung steigend.
zum kochen wurde die dann von den donots gebracht. die stammgäste des roccos spielten wieder alle klassiker für die man sie liebt. pure rock-extase bei „whatever happened to the 80s“, kollektives mitsingen bei „room with a view“ und abfeiern beim twisted sister cover „we’re not gonna take it“. einzig die lieder der neuen platte fand ich nicht so gelungen. gut gelaunt und voller energie konnte der festivalendspurt beginnen.
„kettcar, hamburg“, eine kurze ansage und dann griffen marcus wiebusch und eric langer schon in die saiten. Nnatürlich „deiche“, die setliste hatte sich seit dem southside nicht mehr geändert. der rest des auftritts war charismatisch wie immer, aber geplagt von technischen problemen. mal viel eine box aus, dann war ein instrument kaum zu hören und zu guter letzt viel bei „am tisch“ dann das akkordeon fast komplett flach. aber da die zuschauer immer nur ihrem eigenen gedächtnis applaudieren, wie wiebusch mal auf dem fest van cleef passender weise max goldt zitierte, tat dies der stimmung wirklich keinen abbruch, denn fehlende instrumente wurden durch das mitsingen der menge übertönt. dann stürmte auch noch der hase von k.i.z. die bühne und versuchte mit einfachem herumgespringe die menge anzuheizen. lustiger weise wurde er von den hamburgern onstage komplett ignoriert und mit einem „das war der hund marie“ (in anlehnung an das video zum olli schulz hit „der moment) und einem fast schon ironischen „danke“ verabschiedet. ein weiteres kuriosum gab es zum schluss, keine zugabe, kein „balu“ und somit kein gedanke an inzucht im hause wiebusch.
so viel zu der band mit den „intellektuellen texten“ (zitat reimer), die nach eigenen angaben nur da war um die zuschauer nach der guten stimmung von den donots und vor der anstehenden party mit deichkind etwas herunterzubringen.
und die party kam und sie war mal wieder gigantisch. zwar hatten die jungs nicht so viel platz auf der bühne wie beim southside, aber trotzdem schafften sie es mit zitze, trampolin und den anderen üblichen stimmungsmachern die meute zum beben zu bringen. jeder der in den genuss kam deichkind live zu sehen weiß was das bedeutet, stimmung, party und feierei ohne unterbrechung. und so kam es natürlich auch, sie schafften es die letzten kräfte der ausgelaugten zuschauer zu mobilisieren. der aufstand im schlaraffenland war also unfassbar geil und erfolgreich. ausgelaugt, verschlammt und ohne jegliche energie ging es danach zu den autos und heim.
festivalanarchie
fazit: wetter doof, musik in der regel gut, stimmung unübertrefflich, party noch besser!
schlussfolgerung: nächstes jahr wieder!
künstlerkollektiv: deichkind, donots, gogol bordello, jennifer rostock, k.i.z., kettcar, madsen, mando diao, olli schulz, the (international) noise conspiracy, the wedges, turbonegro
file under: live und in farbe | Kommentare deaktiviert
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