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Platten aufholen #4: The Mars Volta – Octahedron. Fortschritt durch Reduktion.

von jonas | 4.Oktober 2009

the mars volta - octahedronWas bei dem im Juni erschienenen Album „Octahedron“ von The Mars Volta zunächst auffällt, ist, dass es wesentlich sparsamer instrumentiert ist alle bisherigen Alben der Band. Nur etwa die Hälfte der Zeit überschlagen sich Gitarren, Bass, Schlagzeug, Keyboard und Bläser, so wie man es von ihnen kennt, nur selten werden ausgedehnte Gitarrensoli zelebriert. Auf Störgeräusch-Orgien wird sogar ganz verzichtet.

Dafür schleicht sich der erste Song Since We’ve Been Wrong langsam und behutsam an den Hörer heran. In seiner fragilen Schonheit erinnert er dabei an Televators vom ersten The Mars Volta-Album. Allerdings ist er im Vergleich zu diesem sogar noch näher an der Stille angesiedelt: Die Gitarre untermalt die Strophe mit dezentem Fingerpicking, im Refrain folgt dann tröpfelnd ein melodisches Lick. Bass und Schlagzeugs setzen erst nach gut fünf Minuten ein. Ohne Frage ziemlich mutig, einen solchen Song an den Anfang eines Albums zu stellen, aber er ist auch ohne Frage der beste der Platte, soviel sei schon mal verraten.

Danach geht es mit Teflon wieder eher in die von der Band gewohnte Richtung, auch wenn der einprägsame Refrain bereits beim ersten Hören gut reingeht und das Lied somit auch Leuten, die mit Progrock normalerweise nichts anfangen können, gefallen könnte. Die Kollegen von Dredg grüßen von Ferne.

Das folgende Halo Of Nembutals ist ein atmosphärisch-düsterer Midtempo-Rocker, der von enorm pumpenden Drums geradezu durch die Boxen gedrückt wird. Doch bereits im Anschluss wird wieder vom Gas- aufs Bremspedal gewechselt: With Twilight As My Guide ist eine waschechte Ballade, der Fokus ganz klar auf der Gesangsmelodie liegt.

Überhaupt rückt dadurch, dass sich die Instrumentalisten um Omar Rodriguez-Lopez auf diesem Album zurücknehmen, ein weiteres Merkmal von The Mars Volta besonders stark in den Vordergrund: Cedric Bixlers unnachahmlicher Gesang. Und das tut der Platte durchaus gut.

Cotopaxi mit seinem aufgekratzten 11/8-Takt, der zum Refrain hin in einen etwas straighteren 4/4 mündet, erscheint dagegen noch am bandtypischsten, ist mit gut dreieinhalb Minuten allerdings ziemlich fix vorbei. Nichtsdestotrotz ein starker Song, bei dem die Band ihre Stärken gut gebündelt ausspielt. Danach verliert das Album dann etwas an Fahrt und franst etwas aus, dennoch sind Desperate Graves, Copernicus und Luciforms allesamt gute Songs.

Acht Songs in 50 Minuten – auch daran merkt man, dass die Band nicht mehr zu stark übertreiben will und nicht jede Sekunde einer CD-Laufzeit manisch voll packen muss. Es gibt keine Zwänge mehr, denen sich The Mars Volta unterwerfen muss, auch keine selbst geschaffenen. Und so zeigt sich auch, dass Kompromisse der Kunst dienlich sein können: Austoben kann sich Omar Rodriguez-Lopez zu Genüge auf seinen zahlreichen Soloalben und Nebenprojekten, auf den Platten seiner Hauptband landet dagegen ausnahmslos wirklich gutes und durchdachtes Material.

Auch wenn „Octahedron“ mein persönliches Lieblingsalbum der Band, das Debüt „De-Loused In The Comatorium“, sicherlich nicht vom Thron stoßen wird, und einen auch nicht so umhaut wie das im vergangenen Jahr veröffentlichte Werk „The Bedlam In Goliath“, so beweist dieses fünfte Album vor allem die stilistische Vielseitigkeit von The Mars Volta und untermauert somit auf eindrucksvolle Weise, dass sie eine der interessantesten und wichtigsten Bands dieses Jahrzehnts sind.

The Mars Volta – Octahedron (2009, Mercury/Universal).


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