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Das Jahrzehnt aus Sicht der indiestreber. Teil 12: Jonas’ 2003
von jonas | 12.Dezember 2009
Ab jetzt werde ich bei meinen Rückblicken die bisherige Unterscheidung zwischen Lieblingsmusik damals und heute nicht mehr aufrechterhalten. Nicht dass ich bereits damals genau dieselbe Musik wie heute hörte und gut fand, aber ich kann mich einfach nicht mehr genau erinnern, was mir in welchem Jahr am besten gefiel. Natürlich gibt es aber auch weiterhin in jedem Jahr Anekdoten zu meinem Leben und dem Gang des Musik- und Weltgeschehens.
Und 2003 gab es ein Thema, das sowohl für mich als auch für die Weltpolitik enorm wichtig war: den drohenden bzw. ab dem 20. März begonnenen Irak-Krieg. Natürlich war ich dagegen, und im Gegensatz zu Matze war ich sogar auf einer Demo und hielt dort tapfer durch, obwohl mir bei klirrender Februar-Kälte beinahe die Füße in meinen Chucks eingefroren wären. Amerika unter der Bush-Administration taugte zu dieser Zeit ja wirklich hervorragend als Teenager-Feindbild.1 Nichtsdestotrotz konnte ich mich damals wie heute vor allem für Bands aus den USA begeistern.
Die Alben des Jahres
The Mars Volta legten mit ihrem Debüt “De-Loused In The Comatorium” ein Album hin, das so wirr und wild ist wie die Lockenpracht von Sänger Cedric Bixler und Gitarrist Omar Rodriguez-Lopez. Nachdem sich deren frühere Band At The Drive-In unter anderem wegen musikalischen Differenzen zwei Jahre zuvor getrennt hatte, schmissen die beiden jegliche musikalischen Konventionen über Bord. Dieses Album besticht mit überirdischem Prog-Rock in Vollendung, der aber nie mehr als nötig ausfranst. Spätestens die zahlreichen Ohrwurm-Refrains holen einen wieder auf den Boden zurück. An die Qualität dieses Albums konnten The Mars Volta danach nie wieder ganz herankommen.
Sehr empfehlenswert sind auch folgende im Jahr 2003 erschienenen Platten:
- A Perfect Circle – Thirteenth Step
- Billy Talent – Billy Talent
- The Blood Brothers – Burn, Piano Island, Burn
- The Cooper Temple Clause – Kick Up The Fire, And Let The Flames Break Loose
- Cursive – The Ugly Organ
- Deftones – Deftones
- NOFX – The War On Errorism
- Pretty Girls Make Graves – The New Romance
- The Thermals – More Parts Per Million
- The Wrens – The Meadowlands
Tatsächlich sind in dieser Auflistung bis auf The Cooper Temple Clause aus England und Billy Talent aus Kanada ausschließlich US-amerikanische Bands vertreten. So viel also zum Thema Antiamerikanismus.
Die Songs des Jahres
Ich weiß, dass es langweilig ist, aber trotzdem stammt mein persönlicher Song des Jahres schon wieder vom Album des Jahres. Was soll man auch machen, wenn eine Band es schafft, ein so durchgängig großartiges Album zu schreiben, auf dem dennoch ein Song heraussticht, der dann auch noch der untypischste ist. Kurz: Es gibt im Jahr 2003 einfach kein Vorbeikommen an Televators von The Mars Volta.
The Mars Volta – Televators
Auch auf einigen der anderen oben angepriesenen Alben des Jahres gibt es Songs, die nochmal besonders hervorstechen:
- A Perfect Circle – The Package
- The Blood Brothers – Ambulance vs. Ambulance
- The Cooper Temple Clause – Blind Pilots
- Cursive – The Recluse
- Pretty Girls Make Graves – Something Bigger, Something Brighter
Weitere großartige Songs aus dem Jahr 2003:
- Boysetsfire – Release The Dogs
- Horse The Band – Bunnies
- Muff Potter – Wir Sitzen So Vorm Molotow
- Muse – Hysteria
Video des Jahres
The Darkness – I Believe In A Thing Called Love
Übertrieben, bescheuert, spitze!
Konzert des Jahres
Ich nehme an, dass ich im Jahr 2003 auf dem ersten “richtigen” Konzert meines Lebens war.2 Ich habe allerdings keine Ahnung, was für ein Konzert das gewesen sein könnte. Oder war es sogar schon 2002?! Rätselhaft…
Allerdings erinnere ich mich noch daran, dass ich 2003 auf zwei Festivals bei mir in der Nähe gezeltet habe: Einmal beim Open Ohr in Mainz und dann noch beim Folklore im Garten in Wiesbaden. Es scheint dort jedoch keinen Auftritt gegeben zu haben, der mich so begeistert hat, dass ich ihn bis heute im Gedächtnis behalten hätte. Ab nächstem Jahr wird es in dieser Kategorie dann aber endlich etwas konkreter, versprochen!
- Was nicht heißen soll, dass mir die damalige US-Regierung aus heutiger Sicht auch nur einen Ticken sympathischer erscheint. [↩]
- Ich meine damit ein Konzert von einer überregional bekannten Band, bei dem die Zuschauerzahl nicht mehr ganz überschaubar ist [↩]
kĂĽnstlerkollektiv: a perfect circle, billy talent, boysetsfire, cursive, deftones, horse the band, muff potter, muse, nofx, pretty girls make graves, the blood brothers, the cooper temple clause, The Darkness, the mars volta, the thermals, the wrens
file under: best of 2000-09 | Kommentare deaktiviert
kommentare verboten. was wir schreiben, stimmt auch.

