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Das Jahrzehnt aus Sicht der indiestreber. Teil 26: Jonas’ 2008
von jonas | 26.Dezember 2009
Im Nachhinein betrachtet erscheint 2008 als Jahr mit geradezu biblischen Ereignissen. Die apokalyptische Finanzkrise bricht über die Menschheit herein, der Klimawandel sorgt für abstrakt-bedrohliche Szenarien von Fluten wie zu Noahs Zeiten, und gleichzeitig betritt der Messias Obama die Weltbühne. Wird nun endlich alles gut oder sind wir tatsächlich zum Untergang verdammt? Keine Ahnung, fest steht nur: Viel weiter sind wir auch heute, ein Jahr später, noch nicht.
Aber zurück zum eigentlichen Thema: In der Musikwelt schreitet 2008 die Verquickung von Indie und Elektro voran. Deutsche Bands wie Egotronic und Frittenbude kombieren linke Parolen und/oder Party-Slogans mit stampfenden Technobeats und die feierwütige Indie-Meute zeigt sich begeistert. Dazu schwappt aus Großbritannien die New Rave-Bewegung herüber. Dämlich Aussehen ist so cool wie seit den 80ern nicht mehr. Ohne neon geht gar nichts. Überhaupt entkommt man dem Phänomen Indietronic in fast keinem Club. Da wir indiestreber natürlich immer auf der Höhe der Zeit sind, rufen wir passend dazu eine Elektrowoche aus. Inzwischen ist dieser Trend allerdings wieder etwas abgeflacht. Irgendwie beruhigend, muss ich sagen.
Ebenso beruhigend außerdem, dass es bei meinen Favoriten im Vergleich zum Jahresrückblick 2008 vor einem Jahr nicht allzu viele Änderungen gibt. Und wenn, dann sind diese in erster Linie dadurch bedingt, dass ich Alben oder Songs erst später für mich entdeckte.
Alben des Jahres
A Duo that does what duos should do: The Kills vertonen auf “Midnight Boom” die Nacht. Und zwar nicht den Teil davon, in dem man friedlich schlummernd im Bett liegt. Gitarre, Drum Machine, zwei verruchte Stimmen – mehr brauchen sie dazu nicht. Diese Platte ist minimalistisch, aufregend, tanzbar, düster, sexy und cool. Was will man mehr.
Weitere großartige Alben aus dem Jahr 2008:
- 31Knots – Worried Well
- Death Cab For Cutie – Narrow Stairs
- Firewater – The Golden Hour
- Gisbert zu Knyphausen – Gisbert zu Knyphausen
- The Mars Volta – The Bedlam In Goliath
- Nada Surf – Lucky
- Okkervil River – The Stand Ins
- Trip Fontaine – Dinosaurs In Rocketships
- The World/Inferno Friendship Society – Addicted To Bad Ideas
Songs des Jahres
Wer sagt, dass Indie-Songs nicht auch achteinhalb Minuten lang sein können? Manchmal braucht Musik eben Zeit, um sich zu entfalten. Eine Lehrstunde für alle Twitter-Geschädigten – und außerdem die wohl herzerweichendste Stalker-Hymne, die je geschrieben wurde:
Death Cab For Cutie – I will possess your heart from microcosmikka on Vimeo.
Death Cab For Cutie – I Will Possess Your Heart
Weitere großartige Songs aus dem Jahr 2008:
- 31Knots – Certificate
- Blackmail – False Medication
- Bloc Party – Mercury
- Blood Red Shoes – I Wish I Was Someone Better
- Bonaparte – Anti Anti
- Deichkind – Arbeit Nervt!
- Horse The Band – Sex Raptor
- The Mars Volta – Goliath
- Nada Surf – Weightless
- Shantel & Bucovina Club Orkestar – Disko Partizani
- Sons & Daughters – Gilt Complex
- Trip Fontaine – Astronaut
- We Are Scientists – After Hours
- The World/Inferno Friendship Society – Thumb Cinema
Konzert des Jahres
Im Jahr 2008 war ich nach 2005 zum zweiten Mal auf dem Southside und habe dort natürlich viele grandiose Konzerte gesehen. Mein absolutes Highlight und gleichzeitig das Konzert des Jahres: Radiohead als Headliner des Freitagabends. Ich hatte mich erst kurz zuvor in die Band hineingehört, und dieser Auftritt überzeugte mich endgültig von ihrer Einzigartigkeit. Der Sound war so brilliant und klar, wie ich es noch auf keinem Konzert erlebt habe,1 die Licht- und Videoshow war atemberaubend, und die Songs sind ja sowieso über jeden Zweifel erhaben. Weitere Highlights des Southside: Deichkind, NOFX, Foo Fighters und die Überraschungsband des Festivals, Shantel & Bucovina Club Orkestar.
Daneben besuchte ich natürlich auch einige spektakuläre Clubkonzerte, etwa von The Mars Volta, Juri Gagarin mit Bratze und Bonaparte, Horse The Band und The Thermals.
Video des Jahres
Sehr geiles Video, und inzwischen kann man sich den Song auch wieder anhören:
Lützenkirchen – Drei Tage Wach
- schon gar nicht auf einem Festival [↩]
kĂĽnstlerkollektiv: 31Knots, blackmail, bloc party, blood red shoes, bonaparte, bratze, death cab for cutie, deichkind, egotronic, firewater, foo fighters, frittenbude, Gisbert zu Knyphausen, horse the band, juri gagarin, lützenkirchen, nada surf, nofx, okkervil river, radiohead, shantel & bucovina club orkestar, sons & daughters, the kills, the mars volta, the thermals, The World/Inferno Friendship Society, trip fontaine, we are scientists
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kommentare verboten. was wir schreiben, stimmt auch.

