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eine musikalische reise durch die zeit. teil 58: I can’t believe the news today

von fabi | 4.Mai 2010

U2 – Sunday, Bloody Sunday

Die Geschichte von Unterdrückung und Gewalt in Irland, auf „Eire“, ist eine lange und tragische. Einen traurigen Höhepunkt erreichten die offenen Konflikte zwischen Besatzern und Besetzten am 30. Januar 1972, jenem Sonntag im nordirischen Derry, an dem britische Soldaten 13 unbewaffnete Zivilisten erschossen. Trotz weltweit rund einem Dutzend weiterer Sonntage, die heute im allgemeinen Sprachgebrauch mit dem Adjektiv „bloody“ bezeichnet werden, war es eben jener Sonntag in der Bogside, der besonders lange popkulturelle Schatten warf und die Inspiration für Kulturschaffende aller Genres lieferte.

Besonders prominent geschieh dies mit „Sunday, Bloody Sunday“ etwa zehn Jahre später, als sich U2 mit einem ihrer einprägsamsten (viele sagen: besten) Songs der Thematik widmeten. Man mag den Iren und vor allem Bono (der seinen Namen einem Hörgerätefachgeschäft zu verdanken hat) zwar auch hier pathetisches Gehabe und den Drang zur naiven Weltverbesserung vorwerfen (ja, auch das kann man) – so ganz kalt aber, lässt dieser Song selbst die größten U2-Hasser nicht.

I can’t believe the news today
Oh, I can’t close my eyes
And make it go away

Ein treibender Rhythmus zusammen mit Bonos unverschämt einprägsamer Melodie übt die magnetische Wirkung aus. Der Text passt perfekt. Im Kopf formieren sich Bilder, und selbst in der U-Bahn kann einem dabei schon mal ein wütend kalter Schauer über den Rücken laufen, heiß-kalt, so wie die Beziehung vieler zu U2. Man denkt an die Ungerechtigkeit dieses blutigen Sonntags. Und man denkt an all die anderen Ungerechtigkeiten dieser Welt, die nicht vierzig Jahre zurückliegen, sondern immer noch Tag für Tag geschehen – und erschreckend unaufmerksam rezipiert werden.

And it’s true we are immune
When fact is fiction and TV reality
And today the millions cry
We eat and drink while tomorrow they die

Bis heute haben U2 den Song über 600 Mal live gespielt und ihn dabei politisch stets weiter ins Rampenlicht gestellt. Mit gevoideten Akkorden im Rücken ruft Bono dabei ein lautes „no more!“ in die Menge – und auch hier ist wohl Gänsehaut garantiert. In seiner Gesamtform kann das Ins-Rampenlicht-Stellen dabei etwa als Kritik an aktuellen Repressionen nicht-regierungskonformer Demonstranten geschehen, wie zuletzt 2009 mit Blick auf den Iran. Es kann aber auch so aussehen, dass Bono nach den Anschlägen vom 11. September in New York zu den Akkorden des Liedes die USA-Flagge von links nach rechts schwenkt.

The real battle just began
To claim the victory Jesus won
On…

Tja, U2 bleiben halt doch U2.


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