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Phoenix über Franz Liszt. Ungarn, Ungarn über alles…?

9. April 2010 | Autor: | Fach: Geschichte | Noch keine Wortmeldung

Phoenix – Lisztomania

wir sind im jahr 1886 angekommen – dem todesjahr von franz liszt. kommt jetzt die große klassik-epoche bei indiestreber? höchstens auf der metaebene. auch wenn phoenix mit ihrem aktuellen album “wolfgang amadeus phoenix” und dem lied “lisztomania” alles versuchen, die klassische musik wieder in den aktuellen popdiskurs zu bringen.

zurück ins 19. jahrhundert: liszt fernecz wurde 1811 als franz list im ungarischen teil des kaisertums österreich geboren. seine familie war eher österreichisch-deutsch, kommuniziert wurde in deutsch und französisch, und trotzdem gilt liszt (allein schon wegen der magyarisierung seines namens) primär als ungar. aus dieser unklaren gemengenlage wird deutlich, dass die geopolitischen verhältnisse zwischen wien und dem balkan eher kunterbunt waren, als dass klare nationalstaaten existierten.

liszt galt als wunderkind, dessen karriere von seinem vater gefördert und gefordert wurde. nach klavierausbildung und konzerten u.a in wien, budapest, münchen, paris1 und england starb sein vater, franz liszt war gerade 15 jahre alt. liszt lebte später in paris, der schweiz, italien, weimar und budapest. er war also eher europäer als irgendeiner nationalität zuzuordnen – wie viele andere ungarn auch. eine biographie, die er mit vielen gebürtigen ungarn teilt: der urvater des computers, die erfinder hollywoods, fast alle2 wichtigen fotografen und fotokünstler des 20. jahrhunderts, der regisseur von “casablanca”, sogar nicholas sarkozy und joschka fischer, und nicht zuletzt eine ganze reihe wichtiger künstler, architekten und designer des bauhaus – sie alle haben in irgendeiner art und weise einen ungarischen hintergrund.

ungarn, das land mit der unglaublich komplizierten sprache, das noch nie fußballweltmeister wurde und sich primär von gulasch ernährt,3 als epizentrum fast der gesamten modernen kulturlandschaft? und wenn ja: warum? fragen, die ich besser an die wissenschaft weitergebe – oder an phoenix:

When it’s all over we can barely discuss
For one minute only
Not with the fortunate only
Thought it could have been something else
These days it comes it comes it comes it comes it comes and goes
Lisztomania!

Der Post erschien ursprünglich im Rahmen der “Reise durch die Zeit.

  1. womit wir wieder in frankreich und bei phoenix wären []
  2. grob geschätzt []
  3. wobei das, was wir in deutschland als gulasch bezeichnen in ungarn pörkölt heisst; gulasch ist dort eine suppe []

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