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Die Geschichte von Franz Ferdinand. Wie die Jugend auszog, um die Welt zu verändern und dabei einiges schief ging.

12. April 2010 | Autor: | Fach: Geschichte | Noch keine Wortmeldung

Franz Ferdinand – All For You, Sophia

28. Juni 1914, Sarajevo: Gavrilo Princip bringt den Stein ins Rollen, der genau einen Monat später die “Urkatastrophe” des 20. Jahrhunderts auslöst. Dabei ist der Erfolg des Attentats mehr Glück als Verstand. Aber alles von Anfang an.

Im Sommer 1914 beschließt der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand, einem Truppenmanöver in der Hauptstadt des 1908 annektierten Protektorats Bosnien-Herzegowina beizuwohnen. Der Entschluss wird vor allem von den bosnischen Serben als große Provokation angesehen, da es auf den 525. Jahrestag der Schlacht auf dem kosovarischen Amselfeld fällt, der Geburtsstunde der serbischen Nationalidentität.

Erbost von der Nachricht über die Anwesenheit des ungeliebten Österreichers in Sarajevo, beschließen die drei jungen bosnischen Serben Gavrilo Princip (19 Jahre alt), Nedeljko Čabrinović (19) und Trifun “Trifko” Grabež (18) ihn umzubringen. Unterstützt wird das jugendliche Vorhaben nicht nur durch die Geheimorganisation “Schwarze Hand”, sondern auch durch Ignoranz und Achtlosigkeit auf Seiten der Österreicher. So wird eine Warnung vor dem Attentat ignoriert, Franz Ferdinands genaue Route durch die Stadt vorher bekannt gegeben und auf größere Sicherheitsvorkehrungen verzichtet.

Die ersten zwei Mordversuche des Tages schlagen dennoch fehl. Während beim ersten Mal das Auto des Thronfolgers nicht einwandfrei identifiziert werden kann, prallt beim zweiten Versuch eine geworfene Bombe vor der Explosion an Franz Ferdinands Arm ab, detoniert erst hinter dem Wagen und verletzt vor allem Schaulustige.

Der Rest ist mehr Glück als Verstand. Im Bewusstsein der Niederlage ist Princip schon auf dem Nachhauseweg, als neben ihm vor der Lateinerbrücke ein Wagen anhält. Entgegen der Absprache war die Kolonne in die falsche Straße eingebogen und da ist er jetzt Franz Ferdinand von Österreich-Este, Thronerbe der K. und K. Monarchie. Princip zieht seine Pistole, schießt zweimal und trifft sowohl Franz Ferdinand als auch dessen Frau Sophie tödlich. Sofort schluckt der junge Serbe eine Zyankali-Kapsel, um der Festnahme zu entgehen, muss aber brechen. Das Gift ist zu alt und verdorben. Auch sein zweiter Selbstmordversuch schlägt fehl, da man ihm seine Waffe entreißen kann.

Da Princip zum Tatzeitpunkt nach österreichischen Recht noch nicht volljährig ist, kann er nicht zum Tod verurteilt werden und wird mit 20 Jahren Haft bestraft. Bereits 1918 stirbt er an Knochentuberkulose. Der Tod Franz Ferdinands führt einen Monat später zum ersten Weltkrieg, aber dazu morgen mehr.

Zeitsprung. 2002. Neuzeit. In Glasgow, Schottland treffen sich vier junge Musiker und gründen eine Band. Heißen soll das Kind Franz Ferdinand, gerüchteweise neben dem ermordeten Thronfolger auch vom Namen eines erfolgreichen Rennpferds inspiriert. Würdigung erfuhr der Österreicher Franz Ferdinand nur mit der B-Side All for you, Sophia.1 Zusätzlich spielte die Band auch eine Reihe geheimer Gigs unter dem Bandnamen “The Black Hands”. Laut Online-Lexikon Wikipedia soll Sänger Alex Kapranos über Franz Ferdinand gesagt haben:

“His life, or at least the ending of it, was the catalyst for the complete transformation of the world … he was a pivot for history. But I don’t want to over-intellectualize the name thing. Basically a name should just sound good … like music.”

Der Post erschien ursprünglich im Rahmen der “Reise durch die Zeit.

  1. Eigentlich hieß Franz Ferdinands Frau Sophie. Da der Name Sophia melodischer klingt, entschloss sich die Band Franz Ferdinand den Namen für ihr Lied zu ändern. []

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