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Razorlight, Lightspeed Champion und das Royal Opera House über Dalston. The Home of Indierock.

26. Januar 2011 | Autor: | Fach: Erdkunde | Noch keine Wortmeldung

Razorlight – Don’t Go Back To Dalston (Live at Reading 2004)

Zwischen all den Jahresrück und -ausblicken der letzten Tage und Wochen fiel mir neulich auf, dass der letzte richtig große Indiewahn jetzt schon zehn Jahre her ist. Damals befeuerten die Strokes und Co. mit ihrem garagigen Indie unsere musikalische Leidenschaft und Kreativität. Vieles drehte sich in den folgenden frühen Nullerjahren um das sogenannte “Dalston Set” – eine Gruppe von Indie-Berühmtheiten um die Libertines Carl Barât, Pete Doherty sowie Johnny Borrell von Razorlight. Letzterer wollte – so heißt es – mit seinem Song “Don’t Go Back To Dalston” Pete Doherty vor einem Rückfall in die Drogenwelt warnen. Dalston? Wir haben für Euch mal etwas gekramt.

Noch im 18. Jahrhundert vorwiegend Acker- und Weideland, entwickelte sich aus den kleinen Dörfern Dalston und Kingsland schnell ein Arbeiter- und Industrievorort im Osten Londons. Im 20. Jahrhundert wurde das Stadtviertel dann zusammen mit Whitechapel zum Anlaufpunkt für viele jüdische Einwanderer. Es folgten Immigranten aus der Karibik sowie viele Kurden und Türken, für welche wohl besonders die niedrigen Lebenshaltungskosten im Osten Londons attraktiv waren. Relativ nahe der Londonder City gelegen, wurde Dalston so zu einem bunten auch kulturell pulsierenden Quartier.

Doch die rapide Gentrifizierung Ostlondons hat spätestens mit der Fertigstellung der “Overground”-Linie des Londoner U-Bahn-Netzes nun auch Dalston erreicht. Doch entgegen vieler Befürchtungen sind es nicht nur vegane Nudelbars und Designer-Babyläden, die zwischen all den kurdisch-türkischen Cafés nun wie Pilze aus dem Boden schießen. Denn wie Dan Beaumont, Betreiber des instantly durch die Decke gegangenen Cafés “Dalston Superstore” vor Kurzem dem Guardian sagte, will eben nicht jeder “fancy cocktails on roof terraces” schlürfen. Noch scheint es so, als ob sich Dalston “sozialer” als viele Nachbarstadtteile entwickelt. Das orientalische Flair blieb inmitten der brodelnden Kreativszene bis jetzt auf jeden Fall teilweise erhalten.

Helen Chadwick vom Royal Opera House über ihre “Dalston Songs”

Die Indie-Szene, die von E8 aus (Dalston’s Postleitzahl) vor fast einer Dekade die Welt eroberte ist zwar nicht mehr allzu lebendig, doch im Viertel hat sich inzwischen einfach eine neue Szene entwickelt. Musiker wie Devonté Hynes oder Jack Peñate atmen rund um die Kingsland High Street 2011 die kreative Luft für ihre Musik. In folgendem Video läuft ersterer aka Lightspeed Champion zwar durch Central London und nicht durch Dalston, allerdings geht es in dem Song darum, dass Hynes als Schwarzer sogar in Dalston rassistischen Bemerkungen ausgesetzt ist – skurrilerweise aber nur von anderen Schwarzen.

Lightspeed Champion – Tell Me What It’s Worth

Wie Hanna Hanra, Editorin des Stadtteil-Magazins “Pix” es beschreibt: “Everything is possible [in Dalston]!”

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