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eine musikalische reise durch die zeit. teil 70: Ein Staat, ein Billigwodka und eine Band

von matze | 16.Mai 2010

Someone Still Loves You Boris Yeltsin – Glue Girls

Sommer 1991. Deutschland ist mittlerweile wiedervereinigt, und auch in Russland gab es schon vor drei Jahren freie Wahlen. Einer der Gewählten und Mitglied der ersten parlamentarischen Oppositionsgruppe in der Geschichte Russlands: Boris Nikolajewitsch Jelzin, der im Juni auch zum Präsidenten der Russischen Teilrepublik gewählt wird. Im August bezieht Jelzin dann erfolgreich für seinen Staatschef Stellung gegenüber den August-Putschisten, die zurück in den sowjetischen Sozialismus wollten. Im November schließlich wird die Kommunistische Partei KPdSU in der russischen Teilrepublik verboten, und zum Jahreswechsel 1991/92 hört die Sowjetunion auf zu existieren.

Hier aber hört, zumindest vom heutigen Standpunkt aus betrachtet, der positive Beitrag Jelzins zur Weltgeschichte auf: Seine Präsidentschaft in der neugegründeten Russischen Förderation war überschattet von Wirtschaftskrisen, dem ersten Tschetschenienkrieg und Korruption:

Boris Jelzin hinterließ das Land am Rande des Bankrotts, mit zerrütteten staatlichen Strukturen, verarmter Bevölkerung, drastisch gesunkenem internationalen Einfluss und mitten im zweiten Tschetschenien-Krieg. Heute ist er für viele Russen vor allem das Symbol für den allgemeinen Niedergang, Oligarchie sowie für eine Epoche persönlicher und nationaler Erniedrigung. (Wikipedia)

Wie schön, dass ihn wenigstens eine Amerikanische Band noch mag, auch wenn Jelzin die Band wohl nicht mehr kennengelernt hat. Sie gründete sich 2004, vier Jahre nach Jelzins letztem Coup: Am 31.12.1999, wenige Stunden bevor Millionen Menschen ein Jahr zu früh ins neue Millenium starteten, trat er öffentlichkeitswirksam von seinem Amt zurück und machte Platz für einen ehemaligen KGB-Agenten namens Vladimir Putin. Bekannt wurden Someone Still Loves You Boris Yeltsin aber erst kurz vor dem Tod von Boris Jelzin im April 2007. So bleibt von Jelzin hier nur einer der prägnantesten Bandnamen der jüngeren Geschichte, wobei dieser laut Sänger Philipp Dickey lediglich benutzt wurde, weil er sich gut anhöre. Ob die Band durch den Namen aber eher mehr oder eher weniger russische Fans hat – man weiß es nicht.

In Deutschland ist übrigens von ihm noch etwas anderes geblieben, was auch von anderen russischen und sowjetischen Staatsoberhäuptern übrig ist: Es gibt einen nach ihm benannten Wodka. Doch während Wodka Gorbatschow zum Beispiel in Kneipen und Bars eine der Standardmarken ist, ist Jelzin Wodka teilweise für unter 5 Euro im Supermarkt zu haben und, unter uns, ein ziemlich übles Gesöff. Aber vielleicht hat das ja etwas mit der Trinkfreude des ehemaligen Präsidenten zu tun:


künstlerkollektiv:

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