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Gebt den Leuten, was niemand will!

von | 9.November 2008

komar & melamid

welche band träumt nicht davon, den song zu schreiben, auf den die welt gewartet hat. den ultimativen hit, ein lied, das einfach jeder mag, vom pubertären charthörer bis zum elitären musikkenner. einige waren vielleicht nah dran, aber so richtig geschafft hat das noch niemand. an dieser stelle kommen nun die beiden russischen konzeptkünstler vitaly komar und alexander melamid ins spiel. die sind diese aufgabe nämlich auf wissenschaftliche weise angegangen.

schließlich kann man die leute ja einfach fragen, was ihnen denn musikalisch gefällt und was nicht. wie lang soll ein song sein? was für instrumente sollen darin vorkommen? worum soll es in dem songtext gehen? wie schnell soll das tempo sein? wie sieht es mit tonhöhe und lautstärke aus? all das wurden etwa 500 personen in einem fragebogen gefragt. zusammen mit dem komponisten dave soldier nahmen komar & melamid anhand der ergebnisse dann den „most wanted song“ sowie den „most unwanted song“ auf.

widmen wir uns zunächst letzterem: die umfrage ergab, dass die leute ein großes orchester bestehend aus akkordeon, dudelsack, banjo, flöte, tuba, harfe, orgel und syntheziser am wenigsten mögen. außerdem unbeliebt: songs, die über 20 minuten lang sind, atonale musik, wilde tempo-, tonhöhen- und lautstärkenwechsel, hoher operngesang, fahrstuhlmusik, kinderchöre und rap (!). die am wenigsten beliebten themen für songtexte sind cowboys, urlaub, werbesprüche, politische slogans und philosophie. so weit, so wenig überraschend. und hier ist er, der song, der statistisch gesehen weniger als 200 menschen auf der ganzen welt gefallen dürfte:

komar & melamid and david soldier – the most unwanted song (via)

hier zeigt sich mal wieder, dass das ganze mehr ist als die summe seiner teile. denn der song ist zwar ohne frage anstrengend und auf dauer nervig, aber dabei zumindest meiner meinung nach auch unglaublich lustig und stellenweise innovativ und schlichtweg großartig. denn wann hat man zuvor schonmal eine opernsängerin im sopran über die weiten der prärie und die philosophie wittgensteins rappen hören, unterlegt von einer groovenden tuba? oder einen kinderchor, der zu einem discobeat über feiertrage singt und zum kaufen bei wal-mart auffordert?

genau die kombination dieser abwegigen und unbeliebten musikalischen zutaten machen den „most unwanted song“ so faszinierend. ungefähr so geht es wahrscheinlich in mike pattons wildesten träumen zu. und allein der text ist schon für zahlreiche lacher gut (ich sage nur: „Ramadan! Ramadan! Lots of praying with no breakfast! Ramadan, so much fun! Do all your shopping at Wal-Mart!“).

doch nun zum „most wanted song“, instrumentiert mit gitarre, bass, schlagzeug, klavier, saxophon, geige, cello und syntheziser (das einzige instrument, dass gleichzeitig zu den beliebtesten und unbeliebtesten gehörte!). er ist etwa fünf minuten lang, eine tiefe männerstimme singt im rock- bzw. r’n’b-stil ein duett mit einer frau und im text geht es (natürlich!) um eine liebesgeschichte. das ganze sollen etwa 72 % aller leute gut finden. aber hört selbst:

komar & melamid and david soldier – the most wanted song (via)

ich weiß nicht wie es euch geht, aber bei mir stellt sich beim anhören schon eine gewisse enttäuschung ein: das ist es, was die leute wollen? der „most wanted song“ ist vielmehr einer, bei dem man nicht das radio ausschaltet, aber kaum ein musikfan wird ihn wohl so richtig toll finden. dazu ist er einfach zu langweilig, auch wenn der sänger wie eine mischung aus tom waits und joe cocker klingt. am rande: das cheesy gitarrensolo hat vernon reid von living colour eingespielt.

die hörer bei last.fm sehen das übrigens ähnlich wie ich: der „most unwanted song“ wurde in den letzten sechs monaten etwa dreimal so oft gehört wie der „most wanted song“. natürlich kann man jetzt kritisieren, dass nicht nur ein song denkbar ist, der den umfrageergebnissen entspricht, sondern viele verschiedene. und es mag absicht sein, dass der „most unwanted song“ zumindest an einigen stellen deutlich größeren ohrwurmcharakter hat als der „most wanted song“.

aber komar & melamid glaubten wohl sowieso nicht daran, mit dieser methode tatsächlich den besten bzw. schlechtesten song der welt zu ermitteln. die aktion kann stattdessen als statement gesehen werden. umfragen können uns heutzutage genau sagen, wie die bevölkerung tickt und was sie will und sind deshalb für politik und wirtschaft unverzichtbar. aber was passiert, wenn man diese vorgehensweise auf die kunst überträgt?

der „most wanted“ und der „most unwanted song“ machen klar, dass man schönheit und wahrheit nicht so einfach in zahlen ausdrücken kann und stellt somit auf ironische weise eine liebeserklärung an die kunst dar.

p.s.: die beiden songs stammen übrigens schon von 1997, die aktion wird im internet allerdings alle paar monate von jemand anderem entdeckt und aufgegriffen.

p.p.s.: dasselbe haben komar & melamid auch mit gemälden gemacht, aufgeteilt auf verschiedene länder. die ergebnisse davon kann man hier sehen.


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