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horse the band im schlachthof wiesbaden. hail to the synthesizer!

von jonas | 11.November 2008

(kein beitrag zur indiestreber.de-elektrowoche, da diese schon vorbei ist. hätte aber gepasst.)

obacht, die überschrift verspricht weniger, als sie hält. denn an dem vorgestrigen sonntagabend spielten gleich vier bands im schlachthof. angekündigt wurde das ganze als “Hard-Synth-Chaos-Nintendo-HiSpeed- Core-Festival”. das ist zwar zutreffend, klingt aber komplizierter als es ist.

den anfang machten yip-yip, zwei bilderbuchnerds aus florida. komplett in op-art-mäßigem schwarz-weiß-muster gekleidet standen sie an ihren zwei synthesizer/krachmacher-türmen, und mit dabei war auch noch ein mini-saxophon. das schlangenbeschwörer-gefiepse dauerte zwar nur gut 20 minuten, aber das war auch ok so, denn danach wäre es nervig geworden. highlight: das nirvana-cover very ape ganz am anfang. gibt es übrigens auch auf der myspace-seite der band (die epileptiker weiträumig umsurfen sollten) zu hören.

danach war dann das team robbespierre an der reihe, das seinen auftrittsort direkt in den publikumsbereich verlegte (bis auf den schlagzeuger, der somit allein auf der bühne war) und die zuschauer und -hörer auch als dies kaum mehr möglich erschien noch dazu aufforderte, näher zu kommen. ihr new wave-punk rock (selbstverständlich mit synthesizer!) war zwar nicht sehr originell, verlangte aber dennoch nach bewegung. und irgendwann enterte dann auch noch das publikum die beinah verwaiste bühne.

bei der nächsten band wurde der härtegrad dann deutlich angezogen: an albatross aus pennsylvania lieferten feinsten synthie-hardcore. zwei doch sehr unterschiedliche musikstile der 80er jahre wurden sozusagen zu einem derbe harten brett vereint. besonders der sänger der band stach hervor, kletterte er doch an stangen hängend fast durch den ganzen raum und landete schließlich sogar auf dem tresen der bar. iggy pop wäre sicherlich stolz auf ihn gewesen.

nach diesem gepflegten geballer war dann der headliner des abends dran: horse the band. für alle, die diese band nicht kennen, ihre musik kann man etwa so beschreiben: fieser metalcore trifft auf einen noch fieseren synthesizer-sound. dabei liefern sie mit ihrem abseitigen humor den musikalischen beweis dafür, dass man gleichzeitig böse sein und nichts ernstnehmen kann.

denn wo bei ihnen der ernst aufhört und der spaß anfängt, kann man nie so genau sagen. wenn sich gameboy-gefiepse und mosh-parts abwechseln, verschwimmt jede grenze. ihr stil wurde früher auch ziemlich passend als nintendocore bezeichnet, allerdings stehen sie diesem begriff inzwischer eher ablehnend gegenüber, da teilweise gemutmaßt wurde, dass alle ihre songs von videospielen handeln würden (was jedoch nur auf insgesamt drei zutrifft).

im märz diesen jahres starteten horse the band zudem eine angemessen durchgeknallte aktion, nämlich ihre sogenannte earth tour. diese führte sie bisher durch 45 länder (u.a. australien, japan, china und serbien), wobei alle shows von der band selbst gebucht wurden. das finanzielle ergebnis: nachdem die band 60.000 $ vorgelegt hatte, gab es nach drei monaten immerhin sagenhafte 942 $ gewinn. dafür haben sie sich allerdings vorher von ihrer plattenfirma koch records getrennt, weil diese die earth tour nicht für “finanziell durchführbar” hielt. ein gutes beispiel für die prioritätensetzung der band.

aber genug der vorrede, schließlich geht es hier um ihren liveauftritt. und der lässt sich mit wenigen worten etwa so zusammenfassen: horse the band setzen live soviel energie frei wie ein super-gau. ob tanzen, headbangen oder pogen, alles ist möglich. zwar war der auftritt mit einer guten dreiviertelstunde eher kurz, weshalb einige von mir erwartete songs nicht gespielt wurden (wo blieb bunnies?), dafür konnten die songs, die gespielt wurden, durchweg überzeugen. und als zugabe gab es dann noch den laut ansage “most homoerotic song you’ve ever heard”, sex raptor. in den 80ern hätten sie damit millionen verdienen können.

sympathieträger der truppe ist zweifellos der wild herumhüpfende keyboarder erik “lord gold” engstrom, der mit seinem überbiss doch sehr an napoleon dynamite erinnert. dabei trug er zu allem überfluss auch noch alte weiße turnschuhe, eine enge kurze sporthose und ein haifisch-t-shirt (allerdings nur zu beginn, später war dann oberkörperfrei angesagt). nerdiger gehts wohl kaum.

den krassen gegenpol dazu bildet der sänger nathan “the general” winneke, der mit wirklich üblem schnauzer und holzfällerhemd ungefähr so aussah wie ein redneck, der vergewaltigungen und sodomie zu seinen liebsten hobbies zählt. ziemlich angsteinflößend. deshalb erscheint es auch folgerichtig, wenn horse the band auf ihrer myspace-seite schreiben: “you probably won’t like us, because we are ugly and dress horribly in a different way than the bands you like.” doch wer schert sich überhaupt um äußerlichkeiten, wenn er gerade solch ein fettes konzert erleben durfte?! ich jedenfalls nicht.


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