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Future Of The Left im Gebäude 9 in Köln. Rhythmus, Melodie und Krach.

von jonas | 25.September 2009

Köln, 22. September 2009, gleich 22 Uhr: Das Gebäude 9 ist zwar nicht ausverkauft, aber doch gut gefüllt. Die Menge wartet gespannt auf den Sturm, der gleich über sie hineinbrechen wird. Die Vorband Pulled Apart By Horses aus Leeds mit ihrem dröhnenden und angepissten Irgendwascore bereits ordentlich vorgelegt. Und gleich werden Future Of The Left auf die Bühne kommen, die Band, die sozusagen aus der Asche der aufgelösten Waliser Bands Mclusky und Jarcrew entstanden ist.

Los geht’s mit den beiden Songs Arming Eritrea und Chin Music, die auch das aktuelle Album “Travels With Myself And Another” eröffnen und schnell klarmachen, was einen bei diesem Konzert erwarten wird: sägende Gitarrenriffs treffen auf einen derbe verzerrten Bass, das Schlagzeug pumpt wie wild, und dazu singt und keift sich Andy Falkous aka Falco1 die Seele aus dem Leib, oftmals unterstützt von Kelson Mathias.

Future Of The Left wissen, worum es im Rock geht: Rhythmus, Melodie und Krach. Mit diesen drei Zutaten schmeißen sie nur so um sich, während ihnen der Schweiß immer heftiger auf Kleidung und Instrumente tropft.

Teilweise wird die Gitarre dabei gegen einen alten Synthesizer getauscht, der allerdings keinesfalls weniger zum Lärm machen geeignet ist. Außerdem steht er auch im Mittelpunkt der beiden Songs der Band, die man am ehesten als “Hits” bezeichnen könnte: Manchasm – eine Ode an Kater Colin – und You Need Satan More Than He Needs You, bei dem es um einen in die Jahre gekommenen Satanisten geht.

Die Zeit zwischen den Songs wird von dem wunderbar sarkastischen britischen Humor der Band versüßt. Das führt zu zahlreichen unglaublich lustigen Bemerkungen und Ansagen, die sich aufgrund ihrer Spontanität jedoch nur schwer konservieren lassen. Doch egal wie ausgelassen das Geplänkel wird – etwa wenn Kelson Snickers ins Publikum wirft oder geräuschvoll Bierflaschen öffnet – es ist immer klar, dass hier keine Spaßkapelle auf der Bühne steht, sondern einfach drei durchgeknallte und sympathische Jungs, die das was sie tun genießen.

So ergibt sich auch eine Lehre, die eigentlich selbstverständlich ist, die man aber selten so anschaulich präsentiert bekommt: Man muss kein arroganter, aufgeblasener Schnösel mit übergroßem Ego sein, um rocken zu können.

Um den abgehalfterten Zugaben-Brauch der Lächerlichkeit preiszugeben, verstecken sich die drei am Ende dann tatsächlich wie angekündigt hinter ihren Verstärkern statt von der Bühne zu gehen, während das Publikum begeistert mehr fordert. Die explizite Forderung eines alten Mclusky-Songs wird dabei verhältnismäßig höflich, aber bestimmt abgelehnt: “Es tut uns leid, aber den spielen wir nur, wenn keiner ihn sich wünscht. Du hast es also gerade für alle anderen versaut. Aber die neuen Songs sind eh besser.”

Und auch wenn der Auftritt mit einer Stunde viel zu schnell vorbeigeht, zu Meckern gibt es für die Zuschauer nichts. Zu mitreißend war das Erlebte, zu gut jeder einzelne gespielte Song. Und während die Band nach dem ausgedehnten und in Chaos und Feedbackschwaden endenden letzten Song Cloak The Dagger die Bühne verlässt, macht man sich um die Zukunft des Rock keine Sorgen mehr.

Ein paar schicke Schwarz-Weiß-Bilder des Konzerts gibt es übrigens hier zu sehen.

  1. der nebenbei bemerkt wie der typische Protagonist einer britischen Sitcom aussieht – und in eine solche auch wirklich sehr gut hineinpassen würde! []

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