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Eine musikalische Reise durch die Zeit. Teil 25: Mach mich unabhängig. | indiestreber.de


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Eine musikalische Reise durch die Zeit. Teil 25: Mach mich unabhängig.

von | 1.April 2010

Björk – Declare Independence

Sich nichts gefallen lassen, gegen den Strom schwimmen, alles absagen. Es gibt viele Möglichkeiten, sich seine Unabhängigkeit zu sichern. Björk wählt da einen radikalen Weg, sie packt auf dem sonst eher ruhigen und in experimentellen Sphären schwebenden Album Volta den Holzhammer aus und knüppelt in Declare Independence in einer lautstarken Art und Weise dem Hörer eins über. Sirenehaft erhebt sich ihre nun gar nicht mehr elfengleich klingende Stimme über dem dunklen, schweren und schnellen Synthesizerknarzen. Wie ein Mantra wiederholt sie ihre Worte mit der Aufforderung, die Flagge zu hissen. Was die isländische Sängerin da von sich gibt, sind keine Lyrics, sondern Parolen. Damit zeigt sie mal wieder, was ihre Stärke ist: sich keinem musikalischen Gesetz zu unterwerfen, sondern ihre eigenen Regeln zu setzen und die lauten bei Björk seit jeher Wandelbarkeit und alles anders machen, als erwartet.

Eigene Regeln entwarf auch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung. Ob Björk mit ihrem songtechnischen Kraftakt auf dieses historisch einschneidende Dokument verweisen will, ist fraglich. Aber es gibt doch erstaunliche Gemeinsamkeiten. Erstmal der Text, wenn man es so nennen kann: So allgemein wie die Sätze in dem politischen Schrieb zur Abspaltung der nordamerikanischen britischen Kolonien vom Mutterland ist auch der Text des Songs. Eben Parolen und so schöne Verweise wie Create Your Own Flag. Was den Song gleichzeitig wieder interessant macht, denn er lässt sich damit auf vielerlei Weise deuten. Anstatt einer politischen Motivation kann bei Björk vielleicht eher eine Kritik an der Unterjochung durch das kommerziell orientierte Musikgeschäft gelesen werden. Dabei operiert Frau Björk selbst seit Jahren auf großer Bühne, kann sich aber bei all dem Hype und den Massen, die so tun, als würden sie ihre Musik verstehen, aufgrund ihres Hangs zum Experimentellen, Abwegigen doch immer noch den Status des Sonderlings erhalten.

Auch die neugegründeten nordamerikanischen Bundesstaaten waren Sonderlinge, vor allem mutige Sonderlinge, die es sich getraut haben, dem so übermächtig scheinenden Mutterland trotz Kriegsdrohung Auf Wiedersehen zu sagen und auf eigenen Füßen zu stehen. Dass aus diesen so liberalen Staaten einmal das mächtigste Land der Welt werden sollte, das nicht müde wird, andere Nationen mit dem ihm selbst innewohnenden Demokratiegedanken zu beglücken und dabei aber auch gerne – buchstäblich – übers Ziel hinaus zu schießen, hätte niemand gedacht. Unabhängig sind sie immer noch, ja, aber manch anderes Land sehen sie nicht so gerne in dieser Position.

Da trennen sich auch die Wege von Björk und der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Die Musikerin macht genau das, was sie in ihrem Song sagt, und stellt sich damit gegen die Großen, die Andere klein halten und kontrollieren wollen. Und die USA versuchen sich in der Rolle desjenigen, der die Unabhängigkeit in der Welt verbreitet, dabei aber immer die kontrollierende Hand über dem kleinen Bruder behält. Unterschiedlicher könnten beide Unabhängigkeitserklärungen wohl kaum sein.

Susan ist Musikressortleiterin bei der STUZ.


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