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Eine musikalische Reise durch die Zeit. Teil 33: Der Eiffelturm.

von | 9.April 2010

Pixies – Alec Eiffel


Wir befinden uns inzwischen im Jahr 1889. Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der Französischen Revolution1 findet in Paris die zehnte Weltausstellung statt. Für diese Festivität wird bis zum 31. März 1889 eigens ein ganz besonderes Gebäude erichtet, welches damals für viel Aufsehen sorgte: der Eiffelturm. Benannt ist er nach Alexandre Gustave Eiffel, dem Ingenieur, der den Bau geleitet hat.

Dabei war Eiffel allerdings nur die ausführende Kraft, die Idee für das Bauwerk stammt von Maurice Koechlin und Emile Nouguir, und konzipiert wurde es anschließend vom Architekten Stephen Sauvestre. Nun scheint es auf den ersten Blick anrüchig, dass ein solch bedeutendes Monument nicht nach demjenigen benannt ist, der die Idee dazu hatte. Doch Gustave Eiffel war es, der mit diplomatischem Geschick und Engagement dafür sorgte, dass der Turm tatsächlich gebaut wurde. Denn man muss sich bewusst machen, dass die Pariser den Eiffelturm ursprünglich gar nicht haben wollten.

Besonders die Künstler störten sich an dem riesenhaften Turm aus Eisen,2 den sie für ein hässliches Phallussymbol hielten, welches die schöne Stadt verschandelt. Ein Zeit lang war sogar geplant, den Eiffelturm nach der Weltausstellung wieder abzureißen. Doch dafür zog er einfach zu viele Besucher an, die ihn fleißig hochkraxelten, die Aussicht über die Stadt genossen und zudem ihr Geld da ließen. Außerdem erwies er sich nach der Erfindung des Radios aufgrund seiner Höhe als äußerst nützlich für die Kommunikation und ermöglichte die ersten transatlantischen Funkverbindungen. So brachte der Erfolg irgendwann selbst die einstigen Kritiker zum Verstummen. Und inzwischen kann man sich Paris ohne den Eiffelturm gar nicht mehr vorstellen.

Aber das muss ich euch eigentlich gar nicht alles erzählen, schließlich tun das die Pixies bereits in ihrem Song über den gebeutelten Erbauer des Eiffelturms:

he thought big they called it a phallic
(little eiffel, little eiffel)
they didn’t know he was panoramic

[…]

keeping low doesn’t make no sense
sometimes people can be oh so dense
they didn’t want it but he built it anyway

Wenn man will, kann man den Text auch als Analogie zur Karriere der Pixies sehen, schließlich waren auch sie damals, etwa ein Jahrhundert nach unserer heutigen Etappe, ihrer Zeit voraus. Ihre wahre Größe wurde von vielen erst später erkannt, unter anderem auch deshalb, weil ihnen zwar nie so richtig der Durchbruch gelang, sie dafür aber einen Haufen nachfolgender Bands beeinflussten.3

So ist es eben mit großen Dingen: Manchmal werfen sie ihren Schatten so weit voraus, dass man ihn zunächst gar nicht sehen kann. Und was gestern noch als Schandfleck galt, wird morgen schon zum Postkartenmotiv.

  1. ein historisches Ereignis, an dem wir uns auf dieser Reise irgendwie vorbeigeschlichen haben []
  2. bis 1930 übrigens sogar das höchste Bauwerk der Welt []
  3. nicht nur Kurt Cobain []

künstlerkollektiv:

file under: reise durch die zeit | 1 kommentar »


ein kommentar zu “Eine musikalische Reise durch die Zeit. Teil 33: Der Eiffelturm.”

  1. juliaL49 meint:
    10.April 2010 at 12:51 pm

    Jaja, erst nicht haben wollen und dann in ganz Europa so Dinger aufstellen wollen. Von wem genau diese Idee ausging, weiß ich nicht mehr, aber jedenfalls blieb der Blackpool Tower der einzige, der dann tatsächlich nach dem Vorbild in Paris gebaut wurde.

    Ich geh dann mal wieder Surfer Rosa hören…