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reif für die insel. ein tag auf dem sziget.

von | 24.August 2008

spätestens als der moderator auf der hauptbühne verkündet, er habe ein gute und eine schlechte nachricht für uns, war eigentlich alles klar. nachdem babyshambles ihren auftritt auf dem fm4 frequency festival am vorabend wegen eines „verpassten fluges“ absagen mussten, hatte sowieso niemand mehr ernsthaft damit gerechnet, dass pete doherty und band auf dem sziget festival in budapest auftreten würden.

die obuda-insel ist eine grüne oase in der millionenstadt budapest. Hierhin kann sich der großstadtbewohner an heissen und staubigen sommertagen zurückziehen, wenn ihm nach etwas erholung verlangt. für eine woche im august allerdings verlassen alle natur- und ruheliebenden lebewesen die insel in der donau fluchtartig. dann findet hier das sziget festival statt, das größte musikfestival europas. gut 400.000 besucher und 1000 künstler tummeln sich auf, vor und zwischen den 60 bühnen und schauplätzen.

sziget bedeutet übrigens schlicht und einfach insel auf ungarisch, und so machten wir uns mit wasserflasche, sonnencreme und multifunktionstaschentüchern bewaffnet am sonntag, dem letzten festivaltag, auf den weg auf die selbige.

gut, dass wir schon um 12 uhr mittags auf dem festivalgelände waren – man braucht gut und gerne eine stunde, um die insel einmal zu umrunden. zuerst einmal war festival-sightseeing angesagt: im ambient-zelt dösen übernächtigte noch zu sphärischen klängen, während im spielezelt nebenan die schon ausgeschlafenen über schach, mikado und die siedler von catan grübeln. an absperrgittern und bäumen werden mitfahrgelegenheiten gesucht und angeboten – griechenland, england, rumänien, frankreich, deutschland, ganz europa ist vertreten. festivaleltern mit festivalkindern vergnügen sich auf einer riesigen holzwippe, die an eine kleine arche noah erinnert; bungeejumping, eine sherpa-abenteuerburg und sogar ein von behinderten geleiteter geschicklichkeitspark mit rollstuhlparcours machen langeweile so gut wie unmöglich. das vietnamesische wasserpuppentheater ist genauso vertreten wie ein rabbi, dem man für einen cent pro frage vier fragen stellen kann.

auch die kulinarische auswahl ist unüberschaubar, von indischem curry bis zu transsilvanischen pfannengerichten, von italienischer pizza bis zu traditionellem ungarischem gulasch wird für jeden geschmack etwas geboten. die getränkepreise sind vom veranstalter verbindlich festgelegt, und so zahlt man für den halben liter bier überall gute 1,50.

musikalisch konkurrieren unter anderem die afro-latino-bühne, das roma-zelt, die hammerworld metal-bühne und das schlagerzelt um die gunst der festivalbesucher.

nachdem wir möglichst viele dieser eindrücke aufgesammelt hatten fanden wir uns gegen 16 uhr bei der hauptbühne ein. eine gute und eine schlechte nachricht- die schlechte nachricht kannten wir eh schon, wieso auch sollte pete doherty…

„the bad news first: pendulum have been in a car accident in slovakia. they are with the police now and their gig has been cancelled. and now the good news: pete doherty is here!“

ungläubiges staunen. pete doherty? wirklich? oder hat er doch eher „petr dohany“ gesagt, wer auch immer das sein soll? ein moldawischer balalaikaspieler vielleicht? nein, da steht es auf der anzeigentafel, weiss auf schwarz und mit dem union jack im hintergrund: babyshambles 17:30 (nebenbei ein freundlicher gruß an die veranstalter des melt! festivals: so macht man das!). das festival konnte beginnen.

erste auf der hauptbühne waren the wombats. das wetter war grandios, das mittagessen mit bier heruntergespült und die drei jungs aus liverpool bester laune. ich bin ja kein ausgemachter wombats-fan, aber mit ihren tanztauglichen und ungestüm nach vorne gehenden 3-minuten-rock’n’rollsongs waren sie der perfekte opener für diesen tag.

und dann war es auch schon soweit: nach einer durch den ausfall von pendulum bedingten längeren pause sammelte sich die erwartungsfrohe und immer noch leicht ungläubige libertines-babyshambles-petedoherty-fangemeinde vor der bühne, flankiert von jeder menge schaulustiger und horden von profi- und hobbyfotografen.

ein langer, dürrer bursche mit skinnyjeans, trilby-hut und ungesunder gesichtsfarbe betritt die bühne. es ist wirklich pete. die menge jubelt. das konzert beginnt.

und das konzert ist gut. pete kommuniziert mit dem publikum – dass man ihn kaum versteht kann genauso gut an seinem alkoholpegel als auch an seinem akzent liegen. in unnachahmlichem libertines-stil klingen die lieder etwas rauh und unsauber, aber damit umso lebendiger und emotionaler. schlagzeuger, gitarrist und bassist helfen, dem ganzen die nötige struktur zu geben. aber pete ist voll bei der sache, lässt von zeit zu zeit seine musikalische genialität aufblitzen und unterhält das publikum in den seltenen pausen mit einer eigenen version von summertime. nach über einer stunde ist der auftritt vorbei, rundherum nur glückliche gesichter und fast etwas hoffnung, dass pete sein leben doch noch in griff kriegen könnte.

als letzte band spielen an diesem abend noch the killers auf der hauptbühne, die mit einer großartigen bühnen- und lichtshow begeistern, aber dabei leider teilweise schon wie rod stewart oder udo lindenberg klingen. zu viel stadionrock, zu wenige emotionen und rock’n’roll.

und als krönender abschluss geben sich nach mitternacht noch justice die ehre. in der stickigen und verrauchten partyarea ist die stimmung definitiv die beste des ganzen tages. die bühne ganz in schwarz, von türmen aus marshall-verstärkern flankiert, ein brummendes bass-intro – und dann leuchtet das justice-kreuz in blendendem weiss auf. die menge ekstatisch, basslinien dröhnen aus den boxen, die meute tanzt, das zelt vibriert. nur ihren tophit d.a.n.c.e. zerstückeln justice doch arg, aber wahrscheinlich haben sie ihn inzwischen einfach etwas über. schwamm drüber.

nach über 12 stunden auf dem sziget tun beine, kopf und haut gleichermassen weh: wir sind mindestens einen halbmarathon über die insel gelaufen, die wasserflasche ist schon lange leer, die bässe dröhnen noch in den ohren und das eincremen haben wir bei strahlendem sonnenschein auch vergessen. alles halb so schlimm, weil es zurück in die stadt nicht mit bahn und bus, sondern mit dem boot über die donau geht. die wohl schönste abreise von einem festival überhaupt.

die motoren starten, das boot schwebt in einer sanften kurve weg von der insel, richtung stadtufer, noch hört und sieht man musik und lichter, aber bald wird alles dunkel und ruhig, nur das brummen der motoren hält an. ruhe in frieden, obuda-insel. zumindest für die nächsten 51 wochen.


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2 kommentare zu “reif für die insel. ein tag auf dem sziget.”

  1. matze meint:
    24.August 2008 at 9:24 pm

    NEID

  2. brookman meint:
    6.September 2008 at 8:15 pm

    das sziget war wider mal hammer dieses jahr! das einzige, was mich gestört hat, war die absage von pendulum. war eigentlich die wichtigste band für mich… :(