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Hurra! Hurra! Genau so! Gisbert zu Knyphausen findet mit seinem zweiten Album einen unaufdringlichen Weg in den Mainstream.

von | 18.Mai 2010

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Die vollständige wirkung eines neuen gisbert zu knyphausen-albums entfaltet sich erst dann, wenn man die dazugehörigen songs zum ersten mal live gehört hat. Das durfte ich in überwältigender art und weise am vergangenen Freitag im wiesbadener schlachthof erfahren.

Um die 1000 zuhörer fanden sich zur kollektiven gänsehaut ein. Manche von ihnen kennen gisbert, seit er ein kleiner junge war. Manche sind vielleicht gerade erst jetzt durch die fast schon unheimliche mediale gisbert zu knyphausen-manie auf ihn aufmerksam geworden. Manche hatten sich einfach eingefunden, um traumhaft schöne lieblingslieder wie erwischt oder sommertag laut mitzusingen.

Auch meine wenigkeit ließ sich das mitsingen nicht verbieten. Der ein oder andere böse blick eines eher stillen konzertgenießers brachte mich zwar an den rande eines schlechten gewissens. Dieses verflog aber schlagartig, als gisbert mir nach dem konzert gestand, vor ein paar jahren noch selbst einer der lautesten mitsinger auf bright eyes konzerten gewesen zu sein.

„Teile dieser Platte sind so schwarz wie das Cover“, schreibt jan wigger. mal abgesehen davon, dass das artwork von tina polster wie schon beim ersten album wieder ganz fabelhaft gelungen ist, wirkt das album wirklich textlich düsterer als das debüt. all der melancholische tiefgang wird aber immer wieder flankiert von schroffer lakonie. bestes beispiel hierfür ist „melancholie“ – für mich das „spieglein, spieglein“ des neuen albums – mit zeilen wie „ich mein, du weißt ja, eigentlich mag ich dich sehr gerne, wenn du nur ab und zu mal deine fresse halten würdest.“ genau diese ganz eigene mischung aus poesie, pathos, wortwitz und alltagssprache ist es, die gisbert zu knyphausen ausmacht und abhebt von all den anderen talentierten deutschsprachigen songwritern unserer zeit.

bei all den lobeshymnen auf die knyphausenschen texte sollte man nicht vergessen, dass „hurra! hurra! so nicht!“ ein kunstwerk einer fünfköpfigen band ist. frenzy suhr, gunnar ennen, jens fricke und sebastian deufel gehören genauso dazu wie ihr namhafter bandkopf. damit das auch der letzte mitbekommt, wird es im eröffnungssong des albums „hey“ gleich richtig laut. die musikalische untermalung der band verbindet die melancholischen und die wenigen euphorischen stücke der platte zu einer einheit, setzt stücken wie „grau, grau, grau!“ oder „kräne“ (eine art abschieds-hymne an hamburg und seinen hafen) die krone auf und sorgt vielleicht dafür, dass als referenzen in zukunft nicht mehr nur element of crime und reinhard mey sondern auch wilco oder the notwist herangezogen werden.

so oder so ist der inzwischen in berlin gelandete musiker gisbert zu knyphausen mit seinem zweiten album im mainstream angekommen. das beweisen 1000 besucher im schlachthof in wiesbaden, das beweist eine mehrseitige story im rolling stone aber zu allererst beweisen das elf ausnahmslos grandiose songs.

das foto hat übrigens anna thut geschossen. vielen dank dafür!

Gisbert zu Knyphausen – Hurra! Hurra! So nicht! (2010, PIAS)

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file under: live und in farbe, platten | 3 kommentare »


3 kommentare zu “Hurra! Hurra! Genau so! Gisbert zu Knyphausen findet mit seinem zweiten Album einen unaufdringlichen Weg in den Mainstream.”

  1. Michael meint:
    18.Mai 2010 at 7:44 pm

    ja, er mag da angekommen sein und es stört niemanden von uns, oder? tolle musik, die ich allen deutschen acts (außer peterlicht) derzeit vorziehe.

  2. ric. meint:
    20.Mai 2010 at 11:53 pm

    also ohne das neue album schlecht zu finden – überzeugt hat es mich bis jetzt nicht. es fehlen meiner Meinung nach – wie so oft bei zweiten, dritten alben – die zündenden ideen, die echten themen, kurz: musikalisch und inhaltlich wirkt das ganze auf mich (im vergleich zum vorgängeralbum) doch etwas dünn. nette lieder ja, aber keine seelendampfer mehr.

  3. thomas meint:
    21.Mai 2010 at 10:13 am

    kräne ist so ein seelendampfer. ich habe das lied seit zwei tagen nicht gehört und es trotzdem die ganze zeit im kopf. ric, geh auf ein konzert… du wirst sehen (bzw hören): das neue album steht dem alten wirklich in nichts nach.