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Das Jahrzehnt aus Sicht der indiestreber. Teil 7: Jonas‘ 2002

von | 7.Dezember 2009

So Leute, jetzt habe ich mal den Vortritt und darf als erster von uns dreien über mein 2002 schreiben. Als mehr oder minder cooler 15- bzw. 16-jähriger war mein Musikgeschmack damals noch immer hauptsächlich auf harte und laute Sachen beschränkt. Crossover, Punk, Nu Metal, Alternative Rock – diese Schiene. Inzwischen hatte ich auch, so wie einige andere Freunde von mir, angefangen zu skaten. Zwar war ich dabei nicht besonders erfolgreich, aber wenigstens passte der Soundtrack.

Da sich sonst bei meinen musikalischen Präferenzen und in meinem Leben nicht viel tat,1 an dieser Stelle ein kleiner Exkurs zum Thema Musikfernsehen der frühen 2000er: Das sagenumwobene Viva 2 habe ich leider nie empfangen können und war deshalb immer neidisch auf einen Kumpel von mir, der mir stets von den abgefahrenen Sachen berichtete, die dort liefen. Mein Einstieg in „alternative“ Musik im Fernsehen begann etwa 2000 mit den MTV Alternative Charts. Außerdem gab es auf Viva noch diese Show „Schlegl, übernehmen Sie“ mit dem unsäglichen Tobi Schlegl, in der aber meist (aus meiner damaligen Sicht) gute Musik gespielt wurde und interessante Bands zu Gast waren.

Am 1. Januar 2002 gingen dann bei Viva 2 die Lichter aus. Eigentlich ziemlich schade, aber gut für mich, weil daraufhin Charlotte Roche mit „Fast Forward“ auf Viva zu sehen war. Zwar fand ich sie als Moderatorin damals etwas seltsam, doch ich merkte bald, dass in der Sendung zahlreiche coole Musikvideos abseits des Mainstreams liefen (mehr dazu weiter unten).

Meine Lieblingsplatte damals

queens of the stone age - songs for the deafIch kannte damals schon den Vorgänger „Rated R“ durch meinen Bruder, war angefixt von diesem komischen Video mit den Hirschen (siehe unten), und als im Sommer 2002 dann endlich das Album „Songs For The Deaf“ von den Queens Of Stone Age erschien, gab es für mich kein Halten mehr: Das hier rockt ja wie Hölle! Und es war abgefahrener als der Kram, den ich sonst noch hörte. Stoner Rock war mir damals noch kein Begriff, und dass sich diese Genrebezeichnung nicht etwa von Steinen ableitet, darauf wäre ich zu dieser Zeit wohl kaum gekommen.

Queens Of The Stone Age – No One Knows

Auch aus heutiger Sicht ist „Songs For The Deaf“ eine fantastische Platte und schrammt nur knapp am Titel Album des Jahres 2002 vorbei. Unbestritten der Höhepunkt im gemeinsamen Schaffen von Josh Homme und Nick Oliveri. Und gleichzeitig auch dessen Ende.

Mein Lieblingssong damals

An dieser Stelle will ich einen Song würdigen, den ich bei Fast Forward zum ersten Mal hörte. Insbesondere auch deshalb, weil er sich musikalisch ziemlich von dem unterschied, was ich sonst gut fand. Ich weiß nicht, ob es an den putzigen Puppen im Video lag, aber irgendwie packte mich das Lied. Vielen Dank dafür, Frau Roche!

The Notwist – Pick Up The Phone

Die Alben des Jahres – aus heutiger Sicht

mclusky - mclusky do dallas Der erste Eindruck von Mcluskys zweitem Album namens „Mclusky Do Dallas“: Nichts als Krach! Das Schlagzeug klingt nach Pappe, der Bass brummt fuzzig und stoisch vor sich hin, die Gitarre schrammelt ein paar Töne drüber, und dann kommt dieser völlig übergeschnappte Gesang, der häufig ins Keifen abdriftet. Aber irgendwann merkt man, wie sich die Songs immer mehr in den Gehörgängen festfressen. Diese Melodien! So simpel, und doch so gut. Das sind feinste Popperlen, eingehüllt in Schlamm. Musikkenner überrascht es nicht, dass Steve Albini, der schon bei Nirvanas „In Utero“ für den Dreck im Sound sorgte, dieses Album produziert hat. Ein unschlagbares Meisterwerk des Noise Rock!

Mclusky sind für mich ganz klar die unterschätzteste Band des Jahrzehnts. Ich kann immer noch nicht fassen, dass sie wirklich kaum beachtet wurden. Aber was soll man machen, bitterböser Sarkasmus und Misanthropie waren ja noch nie eine Garantie dafür, viele Platten zu verkaufen. Leider entdeckte ich die Band erst nach ihrem Split Anfang 2005 für mich.

Daneben erschienen im Jahr 2002 noch jede Menge weitere großartige Platten, die hier nicht unerwähnt bleiben sollen:

Die Songs des Jahres – aus heutiger Sicht

Und schon wieder Mclusky. To Hell With Good Intentions ist für mich schlichtweg der Song des Jahrzehnts. Leider kann ich nirgendwo in den Weiten des Internets das Originalvideo dazu finden,2 aber dafür gibt es hier jetzt eine Liveversion, in der die Band das Lied bei der britischen Musikshow „Pop Factory TV“ vor lauter 13-jährigen Mädchen spielt. Die perfekte Definition des englischen Wortes „awkward“:

Mclusky – To Hell With Good Intentions (live)

Weitere großartige Songs aus dem Jahr 2002:

Video des Jahres

Ein Wort: süüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüß!

Weezer – Island In The Sun (Regie: Spike Jonze)

Die Single wurde zwar bereits 2001 veröffentlicht, das Video in dieser Version von Spike Jonze allerdings – wenn ich richtig recherchiert habe – erst 2002.

Konzert des Jahres

Auch 2002 waren weiterhin Konzerte von lokalen Bands angesagt. Unvergessen bleibt dabei folgende Begebenheit: Mein Bruder sollte einmal auf mich „aufpassen“, weil unsere Eltern für ein paar Tage weg waren. Seine erste Amtshandlung: Montags abends gings auf ein Hardcore-Konzert im Q-Kaff auf dem Mainzer Uni Campus. Da steht der kleine unschuldige 15-jährige Jonas also da und erlebt mal eben eines der intensivsten Konzerte seines Lebens. Die Band des Abends, die es leider schon seit längerem nicht mehr gibt, nannte sich Atrox.

Außerdem war ich 2002 auch zum ersten Mal auf einem Festival, dem Open Ohr in Mainz. Allerdings habe ich dort nicht gezeltet, sondern wurde jeden Abend gegen Mitternacht von meinen Eltern abgeholt. Haha! Im nächsten Jahr war ich dann aber alt genug für richtige Festivalbesuche.

  1. Wobei: Ich trank im Jahre 2002 mein erstes Bier – ein im Nachhinein doch leicht nostalgisch behafteter Moment… []
  2. dass ich übrigens auch zum ersten Mal bei Fast Forward sah []

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